Box-Oper

- An ein Leben nach dem Tod hat Max Schmeling nicht geglaubt. Was bleibe, sei "bloß die Erinnerung". Und die ist bei Deutschlands Boxer-Legende in enormem Ausmaße festgehalten. Vor drei Wochen ist Schmeling mit 99 Jahren gestorben. Was ursprünglich gedacht war als Hommage zu seinem 100. Geburtstag - den er so gerne erlebt hätte -, reiht sich nun ungewollt ein in die Flut von Nachrufen: "Joe + Max", eine Box-Oper von Autor/Regisseur Marcus Hank und Komponist Alexander Strauch (Münchner i-camp).

<P>Schmeling, dem "die Popularität nie unangenehm gewesen ist", hätte sich gewiss gefreut. Das Team hat sich ja auch fleißigst recherchierend in seine Vita und die von Joe Louis hineingewühlt. Im Mittelpunkt: Schmelings sensationeller - von den Nazis propagandistisch genutzter - K.-o.-Sieg 1936 über den "braunen Bomber" Joe Louis und seine Niederlage im Revanche-Kampf 1938. Während auf erhöhten Bildschirmen mit Fotos und Wochenschau-Ausschnitten inklusive Max und Gattin Anny Ondra bei Hitler zum Tee eingehend dokumentiert wird, holen im Box-Ring die Profis Max Wallner/Schmeling und Yalla Krüger/Louis mit trainierter lederner Rechter und Linker aus, singen Werner Rau und der Afro-Amerikaner Kimako Xavier Trotman die box-technischen und biografischen Dialoge. Die verbindet kommentierend Ursula Berlinghof noch als Erzähler, gehetzt zwischen Schiedsrichter-, Manager-, Reverend-, Etcetera-Rolle.<BR><BR>Dem Geehrten zuliebe, offensichtlich, wurde nichts aus der Vita ausgelassen - was sich doch eher lähmend auf den Zuschauer auswirkt. Von der zeitgenössischen live gespielten Oper für E-Piano, E-Cello, Saxophon und Vibraphon bleibt einem vor allem die volle runde Stimme des New Yorker Juilliard-Absolventen Trotman in Erinnerung.<BR><BR>Bis 25. Februar, Telefon 089/65 00 00. <BR></P>

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