Medien: Deutscher im Ausland auf Antrag der Türkei festgenommen

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„Ich bemühe mich sehr, ansprechbar zu sein“: Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, sieht den Sender auf einem guten Weg. 

Interview nach dem Volksmusik-Eklat

BR-Intendant: „Viele wünschen sich ein moderneres Bild“

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München - BR-Intendant Ulrich Wilhelm spricht im Merkur-Interview über den Streit über die Volksmusik, das Bayerische Fernsehen und die geplante Reform des Senders

Die Entscheidung des Bayerischen Rundfunks, ab Mitte Mai die Volksmusik aus dem Programm Bayern 1 zu streichen, hat zu wütenden Protesten von Hörern und Volksmusikverbänden geführt, die sich auch in Leserbriefen an unsere Zeitung widerspiegeln. Darüber hinaus berichten BR-Mitarbeiter von großer Verunsicherung über die Zukunft des Münchner Senders, der vor großen Reformen steht. Wir sprachen dazu mit Ulrich Wilhelm (54), seit fünf Jahren Intendant des BR.

Sind Sie überrascht von der Heftigkeit des Protestes gegen die Entscheidung, die Volksmusiksendungen bei Bayern 1 zu streichen? Ihr Hörfunkdirektor Martin Wagner hatte ja betont, alles geschehe in enger Abstimmung mit den Volksmusikverbänden.

Viele Menschen halten gerne an liebgewonnenen Gewohnheiten fest, Veränderungen gehen selten ohne Kritik einher. Daher war es uns auch so wichtig, die Umstellung gut und mit ausreichendem Vorlauf vorzubereiten und unsere Hörer damit nicht alleine zu lassen. Wir haben zahlreiche Gespräche mit Brauchtums-, Volks- und Blasmusikverbänden geführt, die uns bei der Information ihrer Mitglieder eine enge Zusammenarbeit zugesagt haben. Zum anderen gibt es seit gut einem Jahr mit BR Heimat einen eigenen Sender, der rund um die Uhr ausschließlich Volks- und Blasmusik bringt sowie Geschichten aus und über Bayern. Dort bekommen unsere Hörer 24 Stunden lang Volksmusik geboten, statt – wie bisher – nur eine Stunde am Tag auf Bayern 1. Der BR gibt trotz der Sparzwänge sogar mehr Geld für Volksmusik aus als je zuvor. Volks- und Blasmusik sind Teil unserer Identität. Der Erfolg von BR Heimat, das mit mehr als 110 000 Hörern täglich alle Erwartungen übertroffen hat, zeigt, dass wir richtig liegen. Wer BR Heimat einmal kennengelernt hat, wird das im Vergleich dazu spärliche Volksmusikangebot auf Bayern 1 nicht vermissen.

Der Entscheidung, Volksmusik nur noch bei BR Heimat auszustrahlen, haftet bei aller Fülle des Angebots der Makel an, dass die Hörer nicht einfach umschalten können, sondern sich gleich ein neues Gerät kaufen müssen. Hat man die Bereitschaft der Menschen dazu vielleicht doch überschätzt?

Wir wollen noch mehr Menschen die Scheu vor dem digitalen Antennenradio nehmen. Das ist umso wichtiger, als UKW als Auslaufmodell gilt und Digitalradio in vielen europäischen Ländern, etwa in Norwegen oder der Schweiz, bereits das Radio der Zukunft ist. Der BR betreibt beide Netze – UKW und DAB plus – flächendeckend. Digitalradio bietet viele Vorteile. So ist der Klang hervorragend, es gibt im Display Zusatzinformationen zu Titel und Interpret. Außerdem sind die Geräte noch einfacher zu bedienen als herkömmliche UKW-Radios, weil sich die Sender selbst einstellen. Wer aber kein Digitalradio besitzt, kann BR Heimat auch über andere Wege empfangen – über Satellit, Internet oder Kabel, auf jedem modernen Fernsehgerät. Im Übrigen sollte man ältere Menschen nicht unterschätzen, viele haben sich ein Digitalradio angeschafft und sind begeistert.

Viele Hörer und Zuschauer vermissen das Bayerische am Bayerischen Rundfunk. Was ist dran an senderinternen Gerüchten, dass auch im Fernsehen Traditionsformate wie „Wirtshausmusikanten“, „Der Letzte seines Standes“, die „Bayerntour“ oder „Weihnachten mit Carolin Reiber“ gestrichen werden sollen?

Die Produktion von „Der Letzte seines Standes“ wurde schon vor Jahren eingestellt, Wiederholungen davon wird es aber weiter geben. Themen und Sendungen über Bayern sind und bleiben der Kern des Bayerischen Fernsehens. Allerdings belegen Publikumsgespräche, dass sich viele Zuschauer ein moderneres Bayernbild von uns wünschen. Deshalb werden beispielsweise neue Sendungen wie „Heimatrauschen“ über ein jüngeres Bayern ins Programm genommen. Die Zuschauer des Bayerischen Fernsehens sind zurzeit im Durchschnitt 66 Jahre alt, vor allem die Altersgruppe zwischen 35 und 55 Jahren schaltet uns unterdurchschnittlich ein, weil die Menschen ihre Lebenswelt im Programm nicht ausreichend wiederfinden. Ab April wird es einen eigenen festen Sendeplatz für bayerische Dokumentationen geben, und zwar zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr in einer Länge von 45 Minuten. Ziel ist es, Bayern in seiner ganzen Vielfalt abzubilden, mit Themen aus Geschichte und Brauchtum bis hin zum heutigen, modernen Bayern.

Einst war man beim BR stolz darauf, der Hamburger „Tagesschau“ mit der „Rundschau“ ein eigenes Nachrichtenformat entgegenzusetzen – warum, so fragen sich viele, geben Sie dieses Alleinstellungsmerkmal nun nach fast vier Jahrzehnten auf?

Bayern hat überdurchschnittlich viele „Tagesschau“-Zuschauer, die wir durch die Übernahme der 20-Uhr-Ausgabe aus dem Ersten künftig im Bayerischen Fernsehen halten können. Unsere eigene Nachrichtenmarke „Rundschau“ bauen wir daneben sogar noch aus und verdoppeln die Sendezeit, sie dauert künftig von 18.30 Uhr bis 19 Uhr. Die „Rundschau“ wird weiterhin einen Überblick über das Weltgeschehen bieten und zugleich mehr Raum für Themen aus Bayern haben. Viele Menschen empfinden das Zeitgeschehen als immer verwirrender und überfordernder, bei künftig 30 Minuten Sendezeit können wir mehr erklären und einordnen.

Viele Reformen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk werden mit dem Spardruck begründet – dabei sprudeln die Einnahmen durch den neuen Rundfunkbeitrag doch wie nie zuvor. Wie passt das zusammen?

Das eine hat mit dem anderen nicht ursächlich etwas zu tun. Die Mehreinnahmen aus dem Rundfunkbeitrag stehen uns als Rundfunkanstalten ja nicht zur Verfügung, sondern müssen auf einem Sonderkonto zurückgelegt werden. Angesichts des von der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs, Red.) auferlegten Spardrucks hat der BR bei steigenden Aufwendungen weniger Geld zur Verfügung. Gleichzeitig müssen wir uns aber doch zukunftsfähig aufstellen, um unsere Inhalte neben Hörfunk und Fernsehen auch im Internet und mobil anzubieten. Nur so können wir relevant und in der Gesellschaft sichtbar bleiben.

Viele Redaktionen in Ihrem Haus sind, so heißt es, verunsichert, Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs durch die anstehende Programmreform. Was sagen Sie denen?

In Ihrer Zeitung habe ich dazu leider viele Gerüchte und zu wenig Tatsachen gelesen. Die Reform des BR wurde von über tausend Mitarbeitern über zwei Jahre ausgearbeitet, wir setzen diese Ergebnisse Schritt für Schritt um. Was die Schemareform im Bayerischen Fernsehen angeht, haben wir diese im Haus offen und intensiv diskutiert. Auch in meinem Führungsverhalten bemühe ich mich sehr, ansprechbar zu sein und freue mich über viele Begegnungen und Gespräche im Haus. Der BR steht vor der größten Reform seiner Geschichte. Dass es nicht immer einfach ist, die Notwendigkeit von Veränderungen bei sinkenden Mitteln zu vermitteln, liegt auf der Hand.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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