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Ein Ausnahmekonzert glückte dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Elbphilharmonie.

Gastspielreise des Münchner Orchesters nach Hamburg

BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

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Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 

Hamburg – Zugabenstimmung herrscht dieses Mal schon im offiziellen Teil. Bei „La Valse“, Ravels hintergründiger Zerhackstückelung des Wiener Dreivierteltakts, bleibt die Partitur von Mariss Jansons zu. Nach fast 90 Minuten Konzertzeit herrscht Freiheit, ja ungebrochene, ungebändigte Musizierlust. Jetzt hat sich der Chef, jetzt haben sich auch seine Musiker endgültig eingestellt auf diesen Saal. Wo andere den Beginn undefinierbar brodeln lassen, entwickelt sich Ravels Viertelstünder bei den Münchnern aus frappierend klarer Ursuppe. So deutlich, so genau ausgehört, so detailliert ist das Stück eine vollkommen neue Erfahrung. Auch, weil man es in den Heimatsälen ja nie so weit bringen kann.

Vor vier Monaten wurde die Elbphilharmonie eröffnet

Es ist ein relativ spätes Debüt für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Vier Monate nach Eröffnung der Elbphilharmonie betritt es am Samstag mit Jansons endlich das Podium. Der Fanclub ist auch dabei. Eine Abordnung der Münchner Konzertsaalstiftung um Wolfgang Heubisch und Kurt Faltlhauser, einige weißblaue Journalisten und ein Mann, der sich sofort verdrückt, sobald sich eine Kamera auf ihn richtet: Yasuhisa Toyota, der japanische Star-Akustiker. Die Elbphilharmonie ist sein Werk, immer wieder lässt er sich in diesen Wochen dort blicken. Und auch an der Isar, das deutet nicht zuletzt dieser Besuch an, scheint er für den neuen Saal im Werksviertel fest eingeplant.

Einige Kritik hat das Hamburger Architekturwunder einstecken müssen. Viel schlecht gelauntes Pressegemaule ist dabei, nicht eingestandener Neid und vielleicht auch die Enttäuschung darüber, dass der Bau – angeblich – nicht so singulär klingt, wie er aussieht. Die BR-Symphoniker, die gerade jeden ihrer Gastspielsäle genau unter die Lupe nehmen und in ihn hineinhören, reagieren auf all das sehr eigen: Wo andere Orchester dem fremden Publikum Standardkost à la Brahms und Mahler vorsetzen, bringen die Münchner Testmaterial mit. Kein typisches Reiseprogramm ist das und doch ideal für die Elbphilharmonie. Das schillernde bis fratzenhafte Tüftelwerk der ersten Symphonie von Schostakowitsch, Thomas Larchers „Padmore Cycle“, jene filigranen Orchesterlieder, die er dem mitgereisten Tenor Mark Padmore in die Kehle komponiert hat, und eben Ravels Walzervernichtung, die hier gerade nicht zum diffusen Reißer wird.

Ein Konzertsaal für 1A-Orchester

Was sich schon in den Eröffnungskonzerten andeutete, wird bei diesem Gastspiel nochmals überdeutlich: Die Elbphilharmonie ist ein Saal – nur – für 1A-Orchester. Alles ist zu hören, alles wird entblößt. Trennschärfe, das hat das Residenzorchester des NDR erleben müssen, kann zum Fluch werden. Die BR-Kollegen nehmen das als sportliche Herausforderung. Für die prickelnd klare Kühle des Raumes bringen sie Münchner Fernwärme mit. Und dass alles genau zu orten ist, wird hier zur Tugend. Die Soli von erster Violine, Trompete, Klarinette, Klavier oder Harfe glücken grandios, im Tutti herrscht schlackenlose Geschlossenheit. Ein Ausnahmekonzert.

Entsprechend gute Laune herrscht danach hinter der Bühne – und Einmütigkeit. „Es macht einen Heidenspaß, hier zu spielen“, sagt Geiger Franz Scheuerer. „Man kann eine unglaubliche Spielkultur entwickeln, der Saal setzt Maßstäbe.“ Klarinettist Werner Mittelbach lobt, dass sich der Raum sehr zurücknehme. „Tricky“ sei das, viel könne man dadurch riskieren. Ähnliches kommt von Trompeter Hannes Läubin. Er ist der „Elphi-Veteran“, fürs Eröffnungskonzert im Januar half er beim NDR-Orchester aus: „Die Akustik verlangt etwas von dir. Man hört sich außerdem sehr gut. Es ist ein Saal für Spitzenensembles.“ Und der Chef? In der Probe reagiert Mariss Jansons sofort auf die ungewohnte Umgebung. Piano-Stellen mögen bitte noch leiser gespielt werden. „Und bei echtem Pianissimo müssen Sie viel Substanz geben“, mahnt er. Natürlich könne man einen solchen Bau nicht in München realisieren, sagt Jansons nach dem Konzert, dafür gebe es keinen Platz. Die Akustik lobt er als „sehr gut“. Keine Überraschung: Der Dirigent hat sich längst auf Toyotas Orchesteranfertigungen festgelegt.

Der Hamburger Konzertsaal segelt weiter auf einer Erfolgswelle

Richtig Oberwasser hat zurzeit Christoph Lieben-Seutter. Egal, wie viele Zusatzkonzerte der Intendant veranstaltet, der Hunger des Publikums kann nicht gestillt werden. Vier Millionen Besucher dürften am Ende des Jahres auf der Plaza hoch über dem Hafen gewesen sein. Und dass es akustisch noch „ein bisserl was“ zum Probieren gibt, weiß der Wiener selbst. Mit der Orchesteraufstellung werde experimentiert, auch mit der Höhe der Podien. Zwei Jahre brauche ein Saal, „bis er eingerastet ist“.  Mit ihrer Akustik bewege sich die Elbphilharmonie im Trend: „Die analytische Nummer liegt gerade in der Luft.“ Kein Nachteil sei das. „Es ist doch der Wahnsinn, wenn  du genau hörst, was 105 Leute miteinander machen.“ Was für Lieben-Seutter übrigens nicht heißt, dass München, wo im Werksviertel Neues entsteht und der Gasteig saniert wird, in jeglicher Hinsicht mitmachen muss. Deshalb der gute, sehr bedenkenswerte Rat des Intendanten: „Wenn Sie bauen oder umbauen, müssen daraus ja nicht zwei Toyota-Säle werden.“

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