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Nur Mariss Jansons lächelt – seine Musiker schauen so ernst, als hätten sie bereits von der BR-Spardebatte erfahren.

Ist das Orchester im Bestand bedroht?

Spardebatte erreicht die BR-Symphoniker in New York

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New York/München - Die BR-Spardebatte erreicht das Symphonieorchester des Senders auf Tournee – Hörfunkdirektor Martin Wagner bekräftigt Bestandsgarantie.

Und was man bitte davon halten solle? Die Stimmung ist gespannt unter den Musikern. Kopfschütteln, Verunsicherung, Ärger, ausgerechnet jetzt beim Tourneefinale in New Yorks legendärer Carnegie Hall. Spardebatte, da ist man beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sehr empfindlich. „Es muss alles auf den Prüfstand“, hat gerade Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel im Haushaltsausschuss des Landtags gesagt, was beim Ensemble, das bislang weitgehend von Kürzungen verschont geblieben ist, mehr als sonst die Ohren klingen lässt. Noch dazu, wenn man gerade auf einem Trip ist, der von anderen Sender-Mitarbeitern, bei denen der Job wackelt, als Lustreise gesehen wird.

Doch obgleich eine USA-Tournee wie diese für sich genommen rote Zahlen verursacht, betont Orchestermanager Nikolaus Pont: „Wir machen unsere Reisen kostendeckend.“ Es gebe eine Querfinanzierung. Was andernorts, in Asien zum Beispiel, erwirtschaftet werde, fließe in den teuren Nordamerika-Trip. Und den bräuchten Ensembles dieser Liga, in der die Berliner oder die Wiener Philharmoniker mitspielen, einfach aus Prestigegründen. „All das also kostet den Steuerzahler keinen Pfennig“, sagt Pont. „Wir haben unsere Einnahmen außerdem insgesamt gesteigert, unserer Eigendeckung liegt bei 25 Prozent.“

Aber da ist ja auch anderes, Weiterreichendes. Es sind nicht wenige im BR-Tross, die angesichts des Spardrucks gleich mehrere Gespenster umgehen sehen. Das der Stellenkürzung, aber auch ein viel hässlicheres – das der Fusion. Gerade hat der SWR seine beiden Orchester zusammengelegt, beim BR drohte bekanntlich vor exakt zehn Jahren dem Münchner Rundfunkorchester, dem kleineren Bruder des Symphonieorchesters, das Aus. Alles aus der Luft gegriffen, bedeutet Hörfunkdirektor Martin Wagner. Er sitzt im New Yorker Konzert „seines“ Orchesters („ein Urlaub, keine Dienstreise“) und will das, was daheim vor sich geht nicht kommentieren.

Doch ein paar Bemerkungen zur hitzigen Debatte tausende Kilometer entfernt möchte er dann doch loswerden. Zu Beginn seiner Amtszeit vor zwei Jahren hat Wagner explizit eine Garantie für die drei BR-Klangkörper Symphonieorchester, Rundfunkorchester und Chor abgegeben. Das gelte, so sagt er in New York, auch heute noch. Überdies habe ihm Verwaltungsdirektor Frenzel per Mail versichert, keinen der Klangkörper vor dem Landtag infrage gestellt zu haben, auch wenn dies manche Medien anders zitiert hätten.

Die BR-Verantwortlichen sind bei dieser Thematik zu einem Spagat gezwungen, den sie ihrem Haus als lockere Turnübung verkaufen müssen. Einerseits ist da die – auch aus Spargründen – gewaltige Umstrukturierung des Senders, die Existenzängste provoziert. Und andererseits ist da der Konzertsaal: Gerade hat der Freistaat nach zwölfjährigem Hickhack das Projekt am Ostbahnhof auf den Weg gebracht. Doch das muss auch mit Inhalt gefüllt werden. Will heißen: Ohne die drei funktionierenden und einigermaßen gut ausgestatteten Klangkörper wäre ein Saalbetrieb absurd. Auch das deutet darauf hin, dass die beiden Orchester und der Chor einigermaßen verschont werden. Das Symphonieorchester und Chefdirigent Mariss Jansons reagierten auf ihre Weise: Dvořáks achte Symphonie in der Carnegie Hall wurde, so ausgelassen und gelöst musiziert, zum bisherigen Tourneehöhepunkt.

Einen spannenden und amüsanten Blick hinter die Kulissen der Nordamerika-Tournee des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks bietet Kultur-Redakteur Markus Thiel, der das Orchester auf seiner Konzertreise begleitet, im News-Blog.  

Mit den BR-Symphonikern auf Tournee: Die Bilder von der Reise

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