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Markus Thiel vor dem Weißen Haus in Washington. Obama konnte allerdings nicht an dem Konzert teilnehmen.

Auf Nordamerika-Tour

BR-Symphoniker reißen Zuschauer in Washington von den Sitzen

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Washington - Die BR-Symphoniker touren durch Nordamerika. Unser Autor Markus Thiel ist dabei und berichtet vom ersten Konzert in Washington. Das hat gar nicht einmal so gut angefangen. 

Plexaderm, die Wundercreme, wäre jetzt nicht schlecht, so mitten im Jetlag. Gegen die hässlichen Säcke und Fältchen unterm Auge. Zehn Minuten, der Verkaufsgast am Tisch plus ein professionell außer sich geratender Moderator demonstrieren es, und die Schönheit ist mit der Salbe wieder hergestellt. In was ist da die Delegation des BR-Symphonieorchesters wohl hineingeraten? In erster Linie in die Morgenshow des US-Fernsehsenders News Channel 8, um für das eigene abendliche Konzert zu trommeln. Mit einem Blechbläserquintett, der Polka „Vergnügungszug“ von Johann Strauß und etwas Wartezeit: Zuerst muss der Kanal seine Finanziers bewerben.

Hornist Carsten Duffin schlägt angesichts der englischen Titelübersetzung eine Eigenbau-Ansage vor. „Für die einsamen Ladys da draußen spielen wir nun ,Pleasure Train‘.“ Der Plan wird rechtzeitig verworfen.

Die erste offizielle Amtshandlung auf der Nordamerika-Tournee fällt also etwas ungewöhnlich aus, und das ausgerechnet im Zentrum der Macht, in der sich selbstgewiss und auf einer gewaltigen Fläche erstreckenden Hauptstadt Washington. 13 Jahre ist es her, dass man letztmals am Potomac Station machte, damals noch mit Lorin Maazel. Die Sache mit dem Fluss ist dabei wörtlich gemeint: Trutzig, wie ein ins Riesenhafte vergrößerter Hochbunker, erhebt sich das John F. Kennedy Center am Ufer. Der Bau mit seinem angeblich weltweit längsten Foyer beherbergt die Oper und eben den Konzertsaal. 2400 Plätze, das ist gewohnte Gasteig-Konfektionsgröße.

Erst gab es leichte Probleme, dann fruchtet alles

Standing Ovations nach dem ersten Konzert in Washington. 

Doch leider knallt der Raum ein bisschen. Es dauert also, bis sich das Ensemble klanglich justiert hat. Jansons, bei der Anspielprobe noch kühl geschäftsmäßig, fordert Gegenmaßnahmen ein: „Die Wärme, mit der sie spielen, soll heiß sein.“ Zwei Stunden später fruchtet alles. Mahlers Fünfte, als Gastierstück ein ungewöhnlicher Koloss, wird füllig gepolstert, in Agogik und Flexibilität extrem ausgereizt. Eine Deutung mit drei- und vierfachem Boden, die das Publikum im nicht ganz ausverkauften Saal von den Sitzen reißt. In Reihe M sitzt zusammengesunken eine gut Achtzigjährige, die plötzlich immer mehr ins Zittern gerät, der junge Mann daneben, vielleicht ihr Sohn, tätschelt ihr beruhigend den Arm.

Korngolds Violinkonzert vor der Pause mit Leonidas Kavakos dehnt den Abend fast auf Überlänge, auch der Solist wird heftig gefeiert. Von Promis, geschweige denn Super-VIPs wie bei der fast gleichzeitig in Moskau spielenden Münchner Konkurrenz keine Spur. Ohnehin, so heißt es am Frühstückstisch, sei zu debattieren, ob Wladimir Putin wirklich ein Konzertschmuckstück sein kann.

Drei Auftakttage inklusive Jetlag-Pause waren das in der US-Hauptstadt, bevor es für die BR-Symphoniker nun eng getaktet weitergeht. Vor dem großen Finale in New York noch nach Montreal, Chicago und in eher unbekannte Städte wie Ann Arbor und Chapel Hill. Uni-Zentren sind das, dort sitzt offenbar das Geld. Das Gegenteil einer Lustreise demnach. Doch wofür gibt’s schließlich Plexaderm.

Unser Kollege Markus Thiel berichtet in seinem Newsblog vom Fortgang der BR-Tournee. Hier ist zum Beispiel auch ein Film von der Anspielprobe in Washington D.C. zu sehen.

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