Brachiale Knalleffekte

- Tschaikowskys Violinkonzert ist ein Schmachtfetzen und sollte es eigentlich auch bleiben dürfen. Mit Verbissenheit und Exaltiertheiten ist ihm nicht beizukommen. Das mussten jetzt in der Münchner Philharmonie der Geiger Christian Tetzlaff und der Dirigent Daniel Harding erfahren, die sich im ersten Symphoniekonzert der Münchner Philharmoniker ans Werk machten.

Technische Souveränität, Lockerheit, spielerische Bravour - das alles muss wie selbstverständlich aus dem Ärmel schütteln, wer Tschaikowskys Opus 35 gerecht werden will. Tetzlaff verstieg sich - bei nicht lupenreiner Intonation - in Extreme, landete in forcierten, hitzigen Tempi. Harding setzte seinerseits auf brachiale Knalleffekte. So kam kein musikantisches Miteinander zustande, das Werk zerfiel, und das Finale schien mehr exerziert als musiziert.

Mit der "Asrael"-Symphonie des tschechischen Geigers Josef Suk hoben sie eine kaum bekannte Komposition ans Licht. Suks fünfsätziges c-moll-Werk gliedert sich in zwei Teile: Den ersten mit drei Sätzen widmete er seinem Schwiegervater, Antonin Dvo´rak, nach dessen plötzlichem Tod. Die beiden folgenden Adagio-Sätze seiner Frau, die den Vater nur um 14 Monate überlebte.

Harding und die Philharmoniker steigerten sich hinein in die bis zum Lärmenden aufgewühlte Betroffenheitsmusik, in der es zuweilen noch ein bisschen spätromantisch wagnert und brucknert. Im vierten Satz mit den elegischen Holzbläsermomenten trafen sie die große Linie, bevor sie das finale Adagio maestoso mit einem Aufschrei begannen und in beruhigtem C-Dur beschlossen. Zum bleibenden Eindruck reichte es nicht.

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