Von Brandauer bis Biedenkopf

- Fast ließe sich sagen, sie sei auf Preise aus München abonniert. Necla Kelek, die türkische Wissenschaftlerin und Autorin, wurde im vergangenen Jahr für ihr Buch "Die fremde Braut" mit dem Geschwister Scholl Preis ausgezeichnet, an diesem Sonntag erhält sie für ihre Veröffentlichung "Die verlorenen Söhne" den Corine-Buchpreis 2006.

Und wieder greift sie hier mutig "ihre" Themen auf: die Situation türkischer Migranten in Deutschland. Kelek erhält die Auszeichnung in der Sparte Sachbuch. Darüber hinaus gibt es acht weitere Preise, verliehen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Bayern, und der Bayerischen Staatsregierung.

Und da bei diesen Auszeichnungen Wirtschaft und Politik unterstützend mit dabei sind, mögen bei der Auswahl der Corine- Empfänger nicht nur objektive Kriterien eine Rolle gespielt haben. Den Belletristik-Preis erhält der Japaner Kazuo Ishiguro für seinen Roman "Alles, was wir geben mussten". Als zweiter Roman unter den prämierten Büchern: "Die Schachspielerin" von Bertina Henrichs. Sie darf sich über den Debütpreis freuen.

Der Jugendbuchpreis geht an Jonathan Stroud für "Die Pforte des Magiers". Als Autor des prämierten Wirtschaftsbuches reist Kurt Biedenkopf nach Mün-chen. Der Titel "Die Ausbeutung der Enkel -Plädoyer für die Rückkehr zur Vernunft" mag vielen aus der Seele sprechen. In der Kategorie Zukunft, vom Preis-Kuratorium auf gut Deutsch "Future" genannt, wird der Australier Tim Flannery geehrt. Sein Thema: die von Menschenhand gemachte Klimakatastrophe.

Schließlich der Leserpreis: Den bekommt US-Autorin Diana Gabaldon und ihr Fantasy-, Liebes- und Abenteuerroman "Ein Hauch von Schnee und Asche". Eine populäre Entscheidung ist auch die Hörbuch-Corine für Klaus Maria Brandauer: für seine Lesung der Mozart-Briefe Den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten überreicht Edmund Stoiber an den israelischen Schriftsteller Amos Oz, der damit für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird.

Die Corine wird in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben. Medienminister Eberhard Sinner: "Der Buchpreis spiegelt den Stellenwert des Verlagswesens für Bayern als Medienstandort Nummer 1 in Deutschland." Übrigens: Der Preis, den der Beiname "international" schmückt, ist nicht dotiert.

Die Verleihung im Münchner Prinzregententheater wird am Sonntagabend, 24. 9., zeitversetzt auf 3sat übertragen: Beginn 21. 15 Uhr. Im BR ist sie zu sehen am 30. 9. um 20. 15 Uhr.

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