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Julia Varady erhielt 1997 den Theaterpreis des Münchner Merkur.

Sie brannte sich ins Gedächtnis

München - Julia Varady startete von München aus ihre Weltkarriere: Heute feiert die Sopranistin ihren 70. Geburtstag.

Als Vitellia jagte sie aus dem Untergrund auf die Bühne der Salzburger Felsenreitschule. Rotes Haar umflammte sie, und ihr Sopran glühte vor Eifersucht: Julia Varady sang im Sommer 1976 in Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung von Mozarts Oper „La clemenza di Tito“ die verschmähte Kaisertochter und brannte sich damit ins Gedächtnis. Nicht nur des Salzburger Festspielpublikums, sondern auch der Münchner Opernfans. Denn an der Bayerischen Staatsoper hatte sie unter Wolfgang Sawallisch bereits 1971 mit dieser Partie debütiert und sich spontan ein Engagement ans renommierte Haus gesichert. Von hier aus startete die Sopranistin ihre Weltkarriere. Heute feiert die Bayerische Kammersängerin – immer noch nahe München – am Starnberger See lebend ihren 70. Geburtstag.

Julia Varady, die 1941 im ungarischen Nagyvárad (heute Rumänien) geboren wurde, übte sich zunächst auf der Geige. Mit sechs Jahren bekam sie ihren ersten Unterricht, wechselte aber als 14-Jährige ins Gesangsfach und wurde von ihrer Lehrerin am Konservatorium in Bukarest zunächst mit Alt- und Mezzo-Rollen betraut. Noch vor Abschluss ihrer Studien debütierte sie 1962 in Cluj, wo sie als dramatischer Sopran die Fiordiligi in Mozarts „Così fan tutte“ sang, aber auch als Mezzo den Orpheus in Glucks „Orfeo ed Euridice“. Acht Jahre später holte Christoph von Dohnanyi die Sängerin nach Frankfurt, nachdem sie bereits in Köln als Violetta in Verdis „La Traviata“ geglänzt hatte. In Sir John Pritchards Kölner Mozart-Zyklus übernahm sie die Fiordiligi und die Donna Elvira in „Don Giovanni“. Mit den Mozart-Damen, auch der Elettra in „Idomeneo“ und der „Figaro“-Gräfin reüssierte sie weltweit. Aber auch Verdis Elisabetta („Don Carlos“), Leonora („La forza del destino“), „Aida“, Desdemona („Otello“) oder Abigail („Nabucco“) und Richard Strauss’ Arabella und Ariadne gesellten sich dazu.

Später dann wagte die Varady sich vor bis zu Wagners Senta im „Fliegenden Holländer“ – auch im hiesigen Nationaltheater –, zur „Tannhäuser“-Elisabeth und ging sogar als Sieglinde in der „Walküre“ mit der Deutschen Oper Berlin, ihrem zweiten Stammhaus neben München, auf Japan-Tournee. Unvergessen sind in München Varadys leidenschaftliche Santuzza in „Cavalleria rusticana“ oder ihre Giorgetta aus Puccinis „Il tabarro“.

In jener schicksalhaften, von Wolfgang Sawallisch dirigierten, von Günther Rennert inszenierten Produktion (1973) begegnete die junge Sängerin ihrem späteren Mann, dem Bariton Dietrich Fischer-Dieskau. Mit ihm zusammen kreierte sie auch Aribert Reimanns grandiose Shakespeare-Vertonung, den legendären „Lear“, 1978 im Nationaltheater uraufgeführt. Sie verkörperte die Tochter Cordelia. Varady gehört zu jenen Sängerinnen, die ihre Figuren mit gesanglicher wie darstellerischer Intensität durchglühen und das Publikum unweigerlich in ihren Bann ziehen. Sie hat sich schon vor Jahren von der Opernbühne zurückgezogen, aber zum Glück ist ihre dramatische Ausdruckskraft auf etlichen Schallplatteneinspielungen, in Funk- und Fernsehaufnahmen erhalten. Als Gastprofessorin an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und bei Meisterkursen gibt Julia Varady ihr Wissen um Gesangs- und Gestaltungskunst an die junge Generation weiter.

Von Gabriele Luster

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