Bratscher und Westfale

- Als Georg Schmöhe vor 25 Jahren in Venezuela wirkte und ihm dort bei 32 Grad der "leise rieselnde Schnee" entgegentönte, floh er spontan nach München und bummelte über den Christkindlmarkt. Dazu wird er in den kommenden fünf Wintern öfter Gelegenheit haben. Denn der nun 65-Jährige wurde - als Nachfolger Heiko Mathias Försters - zum neuen Chefdirigenten der Münchner Symphoniker gekürt.

München ist für den weltläufigen Schmöhe kein unbekanntes Pflaster: Schon einmal lebte er acht Jahre hier und leitete Konzerte: mit den Münchner Philharmonikern und den BR-Symphonikern. Die Symphoniker hat er erstmals im Mai 2005 dirigiert, aber "ich kannte sie aus Konzerten und spürte schon bei der ersten Probe, dass es klappen kann". Auch mit Intendant Hans Brünig stimmt die Chemie: "Wir sind beide Bratscher und dickköpfige Westfalen."

Der vom Orchester einstimmig favorisierte Schmöhe möchte Försters erfolgreiche Arbeit fortführen, aber auch eigene Akzente setzen. Ausgehend von den 53 Musikern und mit Blick auf das Stamm-Publikum rangiert die Klassik im Vordergrund. Er will bis zur "mittleren Romantik" vordringen, sogar Neues wagen. Nicht in Sandwich-Manier zwischen zwei vertrauten Stücken, sondern als Zusatzangebot für die fast 1000 Abonnenten: Neue Musik oder die Klavierbearbeitung einer Symphonie gibt es in Vor-Konzerten oder auch als Anhang. Das praktizierte Schmöhe als GMD in Innsbruck, "und keiner traute sich wegzugehen".

Doch Schmöhe möchte eins nicht: das Publikum zum Neuen zwingen. "Ich kann doch nicht sagen, wer einen Renoir anschauen will, muss vorher zu Beuys gehen." Im klassischen Repertoire will er Unbekanntes von Beethoven (Werke für Glasharmonika oder türkische Musik) ausgraben. Haydn soll Schwerpunkt werden und alle Symphonien von Schubert, daneben wenig Gespieltes von Mendelssohn. Starken finanziellen Rückhalt, 500 000 Euro, erhält das Orchester (Gesamtbudget drei Millionen Euro) derzeit vom Hauptsponsor, der Stadtsparkasse München. Über weitere Unterstützung wird verhandelt, was andere Sponsoren nicht irritieren sollte.

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