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Zwei Stars bei der Münchner Kammeroper: Schauspieler Daniel Friedrich und Sopranistin Juliane Banse.

Brave Mädchen und Männerfantasien

München - Zeitreise an der Münchner Kammeroper: Mit „Verehrte Frau“ entführen Juliane Banse und Daniel Friedrich ins Wien der vorletzten Jahrhundertwende.

Die Münchner Kammeroper ist nicht wirklich das Terrain, auf dem sich Kammersänger tummeln. Dennoch hat Christophe Gördes für die neue Produktion dieses wagemutigen Unternehmens zwei Stars an Land gezogen: Sopranistin Juliane Banse und Schauspieler Daniel Friedrich. „Verehrte Frau!“ – hinter diesem Ausruf verbirgt sich eine Musik- und Text-Collage von Karoline Wernicke und Alexander Krampe, die am Freitag Premiere in der Allerheiligenhofkirche hat.

Das Publikum wird mit Wort und Ton ins Wien der vorletzten Jahrhundertwende entführt: Zu den unterschiedlichsten Frauen, ihren Emanzipationsversuchen und den Fantasien der Männer… Und das inspiriert von Schriftstellerinnen und Psychoanalytikerinnen wie Lou Andreas-Salomé, Ea von Allesch, Lina Loos oder Sabina Spielrein.

Juliane Banse, die auf den großen Bühnen der Opernwelt zu Hause ist, reizt das: „Einmal nicht den großen Apparat bedienen, der natürlich auch was Tolles ist, sondern mit bescheidenen Mitteln im kleinen Format agieren und sich auf das Extrakt konzentrieren.“ Dass sie den Klarinettisten Christophe Gördes seit Studienzeiten kennt („Wir haben in allen Sparkassen, Banken und Versicherung zusammen gemuckt“) war sicher eine gute Voraussetzung fürs Engagement. Auch Daniel Friedrich wechselt gern von den Staatstheater- und Festspielbühnen (München, Berlin, Wien, Salzburg) in den kleinen Rahmen. Diesmal sogar mit Musik. „Ich wollte alles machen, bloß nicht den Mund so weit aufreißen“, lacht der Sohn eines Sängers. Er steuert Texte des Fin de siècle von Schnitzler, Rilke, Hofmannsthal, Freud, aber auch von den Damen Spielrein und Andreas-Salomé bei und verkörpert „alle Männer dieser Zeit“. Das Singen überlässt er dabei getrost Juliane Banse. „Ich bin das brave Mädchen, die Muse oder das Hausmütterchen – so wie die Männer die Frauen gerne gehabt hätten.“ Ihr Lieder-Reigen reicht dabei von Gustav Mahler und Hugo Wolf bis zu Arnold Schönbergs „Erwartung“. „Sogar ein Lied von Johann Strauß ist dabei: ‚Klug Gretelein‘“, amüsiert sich Juliane Banse. Ganz besonders angetan ist sie von den Werken der Komponistin Johanna Müller-Hermann. „Ich kannte sie nicht, und das war eine echte Bildungslücke. Sie wirkt in ihren spätromantisch angelegten Liedern viel selbstständiger als Alma Mahler-Werfel und ist mutig auf dem Weg zu Alban Berg.“

Alexander Krampe schuf die Arrangements der Lieder für kleines Orchester: Holzbläser und Streicher, diesmal verstärkt mit Akkordeon und Vibraphon. Regisseur Dominik Wilgenbus bringt Texte und Musik – es gibt auch reine Orchesterstücke – in eine theatralische Form. „Dabei“, erläutert Friedrich, „werden mit minimalen Mitteln Mann-Frau-Situationen und Bilder angedeutet, aus denen die Texte entspringen. Das alles soll locker und leicht bleiben und viel Raum für eigene Fantasien eröffnen.“

Gabriele Luster

Vorstellungen am 21., 22. und 23. Oktober; Telefon 0180/ 54 81 81 81.

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