Brechts Arturo Ui

- Er galt als Brecht-Schauspieler schlechthin. Ekkehard Schall, der am Samstag im Alter von 75 Jahren gestorben ist, war einer der profiliertesten Darsteller in Bertolt Brechts Berliner Ensemble. Der Meister persönlich hatte den exaltierten Heißsporn 1952 aus der ostdeutschen Provinz an das Theater am Schiffbauerdamm geholt. Schall spielte sich durch das ganze Brecht-Repertoire. Mehr als 60 Rollen verkörperte er allein am Berliner Ensemble. Als "Jung-Siegfried" soll ihn Brecht damals bezeichnet haben. Auch privat war Schall mit der Familie eng verbunden. Er heiratete Brechts Tochter Barbara.

Sein letztes großes Theaterprojekt, ausnahmsweise Shakespeare, konnte Schall nicht mehr verwirklichen. Am Volkstheater Rostock, wo seine Tochter Johanna Schauspieldirektorin ist, wollte er 2006 den "Lear" spielen. Auch im Theater 89, einer Freien Bühne in Berlin, war noch eine Premiere geplant: Rolf Hochhuths Theatermonolog "Tod eines Jägers" über die letzten Stunden von Ernest Hemingway wollte er auf die Bühne bringen.

Am 29. Mai 1930 wurde Schall in Magdeburg geboren. Sein erstes Engagement trat er 1948 am Stadttheater Frankfurt (Oder) an. Später war die starke Bindung an Brecht die Basis seines Erfolgs. Spätestens in der Titelrolle des Stücks "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" gelangte der Brecht-Protagonist zu Weltruhm. Mehr als 500 Mal spielte Schall den faschistoiden Ui. Schalls großes Vorbild war der Schauspieler und Sänger Ernst Busch. Der war in seinen Augen "so wunderbar proletarisch in jeder Aussage, jeder Rolle". Schall selbst beeindruckte als Coriolan, Azdak, Puntila, Fatzer, Baal und Galilei. Zu DDR-Zeiten trugen auch Fernsehproduktionen zu seiner Popularität bei. Unter der Regie von Ulrich Mühe spielte Schall im vergangenen Jahr in "Der Auftrag", aufgeführt zum Gedenken an den 75. Geburtstag von Heiner Müller.

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