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In Würde gealtert – The Sweet heute (v. li.): Bruce Bisland, Andy Scott, Pete Lincoln und Tony O’Hora.

Konzert im Münchner Circus Krone

The Sweet kommen wieder

München – Die britische Band The Sweet ließ im Münchner Circus Krone die Siebzigerjahre aufleben – und kündigte eine neue Tournee an. Lesen Sie hier unsere Konzertkritik.

War ja klar. Vor der letzten Zugabe lädt Sänger Peter Lincoln gleich zur nächsten Tournee ein. Das Publikum im gut gefüllten Münchner Circus Krone quittiert das mit frenetischem Jubel, was als Zusage gelten darf. Man sieht sich also doch wieder, auch wenn The Sweet ihre aktuelle Tour unter das Motto „Letzte Zugabe“ gestellt haben. Davor waren sie allerdings auch schon auf der „Final Tour“.

Egal, es wird unter irgendeinem lustigen Titel weitergehen, denn klar ist – die Briten hören nicht auf, solange sie aufrecht stehen können. Warum auch, sie entfachen immer noch zuverlässig Begeisterungsstürme mit ihren unkaputtbaren Hits, die jeder kennt, selbst wenn er noch nie von The Sweet gehört hat.

Gitarrist Andy Scott ist der einzige Original-Sweetie

Der prägnante Riff von „Teenage Rampage“, das legendäre Intro von „Ballroom Blitz“, der Ohrwurm-Refrain von „Fox on the Run“, all das tut so zuverlässig sein Werk wie damals in den seligen Siebzigerjahren. Musikalisch sind The Sweet oft unter Wert gehandelt worden, was natürlich am selten dämlichen Erscheinungsbild der Band lag. Gitarrist Andy Scott, der einzige Original-Sweetie auf der Bühne, hält auch heute noch unbeirrt an seiner unfassbar hässlichen Long-Bob-Frisur fest – vielleicht als Mahnung an nachfolgende Generationen, man weiß es nicht.

Das ist aber auch nicht weiter wichtig, denn vor allem in der ersten Hälfte des Auftritts erinnern The Sweet sehr lautstark daran, dass sie damals ziemlich kernigen Hardrock fabriziert haben, trotz ulkiger Schlaghosen und Plateau-Schuhen. Die Lieder sind bemerkenswert gut gealtert und dank geschickter Arrangements nach wie vor gut hörbar. Gitarrist Scott beteuert regelmäßig, wie viel Freude es mache, nach fast einem halben Jahrhundert Sweet immer noch Musik spielen zu dürfen, und das kann man ihm abnehmen.

Keine Spur von Nostalgie-Routine

Tatsächlich sieht das nie nach abgezockter Nostalgie-Routine aus, die vier Herren haben Freude daran, gemeinsam zu lärmen, das merkt man. Und sie sind stolz, ein paar Klassiker zum Kanon des Pop beigesteuert zu haben. Das können sie auch sein. Und das mit den Outfits in den Siebzigern, meine Güte – das war so daneben, dass es fast schon wieder Charme hatte.

Zoran Gojic

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