Brodelnde Unruhe

- "Altes Testament und Psalm im 20. Jahrhundert", lautet das aktuelle Motto von "Paradisi Gloria". Beim fünften Konzert der Reihe in der Münchner Herz-Jesu-Kirche zeigte sich erneut, wie wenig sich über die Jahrtausende die seelischen Nöte des Menschen verändert zu haben scheinen.

<P>Die Klagen des Psalmisten, sein Hadern mit der eigenen Existenz, sein Hin- und Hergerissensein zwischen Verlassenheit und der Gewissheit, in Gott geborgen zu sein: All das wird, wenn auch oft der religiösen Sprache und Bilder entkleidet, in den psychotherapeutischen Praxen der westlichen Welt tagtäglich viele tausend Male berichtet. Und wenn der russisch-französische Dirigent und Komponist Igor Markevitch (1912-1983) in seinem "Psaume - Tehillim" Abgründen und Exstasen seiner Opium-Abhängigkeit musikalischen Ausdruck verleiht, dann fallen uralte und moderne Bedrängnis ohne Bruch in eins.<BR>Ein Stück voller brodelnder Unruhe - das Münchner Rundfunkorchester unter Peter Rundel realisierte es zupackend. </P><P>Elena Prokina lotete mit kraftvoll-leuchtendem Sopran die energetischen Ausbrüche ebenso überzeugend aus wie das fiebrig-verklärte Gotteslob am Ende. Zu solcher Expressivität stand Igor Strawinskys späte Geistliche Ballade "Abraham und Isaak" in denkbar größtem Kontrast - herbe Farbigkeit der kargen Instrumentation und der psalmodierend darüber schwebende hebräische Text erzeugten gleichermaßen Gefühle archaischer Fremdheit wie meditativer Verinnerlichung; Yaron Windmüller sang den Solopart mit präzise geführtem Bariton und alttestamentarischer Strenge.<BR></P>

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