BR-Symphoniker: Wilde Jagd mit Schumann

- Im Zuge der momentanen Mozart-Euphorie wird allzu leicht übersehen, dass 2006 in musikalischer Hinsicht auch noch manch anderen Jubilar bereit hält. Robert Schumann etwa, dessen Todestag sich am 29. Juli zum 150. Mal jährt. Sein Opus 97, die "Rheinische Symphonie", brachte nun das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von David Zinman zur Aufführung und hinterließ damit einen eher zwiespältigen Eindruck (Herkulessaal).

Sicher, Zinmans zügige Tempi und sein stetes Vorwärtsdrängen gaben dem Stück vor allem in den beiden rahmenden Sätzen eine mitreißende Dramatik, ein klares Ziel war bei dieser wilden Jagd durch die Partitur dennoch oft nur schwer auszumachen. Sieht man einmal vom fein ausmodellierten vierten Satz ab, geriet vieles einfach eine Spur zu pauschal, um wirklich zu fesseln.

Besser gelang John Coriglianos "Fantasia on an Ostinato", die sich jedoch längst nicht so fantasievoll gibt, wie es der Titel vermuten lässt. Doch schlug das von Zinman klar und präzise umgesetzte Werk mit seinen Anleihen bei Beethovens Siebter bis hin zu Wagners "Lohengrin" einen plausiblen Bogen zum eigentlichen Herzstück des Abends, Beethovens zweitem Klavierkonzert, für das der Franzose Pierre-Laurent Aimard aufs Podium kam.

Vom unscheinbaren Auftreten des Pianisten sollte sich niemand hinters Licht führen lassen. Denn sobald Aimard an seinem Steinway Platz genommen hatte, schien es für ihn kein Halten mehr zu geben. Mit unbändiger Energie stürzte er sich in das Werk, warf jeglichen teutonischen Ballast über Bord und verstand es, manche überraschende Pointe zu setzen, die dem Werk eine Leichtigkeit verlieh, wie man sie so wahrscheinlich selten zu hören bekommt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Spektakeln sollen andere
Verhandlungen beendet: Das Bregenzer Architektenbüro Cukrowicz Nachbaur erhält wohl endgültig den Zuschlag für das Münchner Konzerthaus. Am kommenden Mittwoch debattiert …
Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Spektakeln sollen andere
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
Nach dem Kollegah und Farid Bang einen Echo bekommen haben, stehen die beiden nun ohne Plattenfirma da. Das Musikunternehmen BMG stoppte die Zusammenarbeit mit den …
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
 Der Bestseller
Tolle  Leihgaben - Im Bayerischen Nationalmuseum  ist erstmals eine umfassende  Schau zum Werk des  spätmittelalterlichen Münchner  Bildhauers Erasmus Grasser zu sehen
 Der Bestseller
Werden viele junge Erwachsene nun traurig sein? Die „Neon“ gibt‘s schon bald nicht mehr
Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr stellt nach 15 Jahren sein Magazin „Neon“ ein. Das Heft erscheint am 18. Juni zum letzten Mal.
Werden viele junge Erwachsene nun traurig sein? Die „Neon“ gibt‘s schon bald nicht mehr

Kommentare