Bruckners Neunte im kostbaren Klanggewand

- Münchner Musikfans dürften mit den Zähnen geknirscht haben. Das ist also der Nebenbuhler. Jenes Ensemble, mit dem BR-Symphoniker-Chef Mariss Jansons ab Herbst eine Liaison beginnt, seine Karriere dadurch in die Mé´nage à` trois steuert. Und wer das Concertgebouw-Orchester Amsterdam mit Bernard Haitink im Gasteig hörte, der begriff die doppelte Liebe.

<P>Von güldener Erlesenheit der Klang, fein abgeschmeckt die Balance zwischen Bläsern und Streichern, geschmackvoll, nie überreizt die Dezibel-Entladungen: Bruckners Neunte in ein einzigartiges, kostbares Gewand gehüllt. Das imponierte natürlich, auch, mit welcher Hingabe die Amsterdamer kleinste Fingerzeige ihres langjährigen Leiters umsetzten. Und man muss auch nicht so weit gehen wie Harnoncourt, der Bruckners Spätwerk als zerfurchten, querständigen Koloss begriff, als nicht beendetes, vielleicht gar gescheitertes Experiment auf der Suche nach neuen Harmonien und Strukturen. </P><P>Aber etwas mehr von dieser Stimmung zwischen Endzeit und Aufbruch hätte Haitink schon vermitteln können. Stattdessen führte er die Symphonie als (zu) logischen Entwicklungsprozess vor. Haitinks immenses Wissen um Zusammenhänge wurde sicherlich deutlich. Doch der sämig strömende Orchesterfluss ignorierte Brüche der Partitur, das Ergebnis: eine Verharmlosung. Ähnliches in Mozarts d-moll-Klavierkonzert. </P><P>Haitink und die Concertgebouw-Musiker nahmen sich höflich zurück, gefielen sich als Grundierung oder Stichwortgeber für Andrá´s Schiff. Und der schien vor allem den ersten Satz fast im Alleingang zu bestreiten. Ihm lag weniger am angeblich "Dämonischen", das die romantische Rezeption so reizte. Mit kristallinem Ton, nuancenreicher Rhetorik und manch pointierter Wendung betonte er das Dialoghafte des Werks. Schiff entdeckte das Vielschichtige, auch das Bedrohliche von Mozarts Opus also in einer Art Klangdiskurs. Und Haitink? Verbarg derweilen die Amsterdamer hinter einem Schleier aus Schönheit.</P>

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