Brüchiger Asphalt

- Diesen Menschen scheint der Boden unter den Füßen wegzubröseln. Die weite Asphaltfläche ist geplatzt und hat geschwürartige Beulen bekommen, aus denen der Untergrund hervorzubrechen droht. Katrin Gerheuser hat die Münchner Halle 7 mit dieser hässlichen Kruste ausgelegt und eine ausdrucksvolle Bühne geschaffen für die gebrochenen Figuren aus "Retten - Zerstören".

Das Stück des Österreichers Robert Woelfl wirft Schlaglichter auf zehn Personen und ihre kranken Beziehungen: Ein Mann und eine Frau haben mit ihrer quälenden Gutwilligkeit den Sohn vertrieben. Ein Mädchen reibt sich zwischen ihrer Clique und der resignierten Mutter auf. Eine perfekte Partnerschaft zerbricht, als die Frau aus Angst, entlassen zu werden, ihren Job kündigt und der Mann mit einer anderen ins Bett geht. Zwei Männer machen diffuse Geschäfte, zerren einen Betrunkenen von den Bahngleisen und quälen ein Mädchen - retten und zerstören. Jeder Handlungsstrang wird wieder aufgegriffen, eine Figur aus dem einen plötzlich in den anderen verwoben. Spannung baut sich auf und fällt schnell wieder in sich zusammen oder führt ins Nichts: Zwei der Todessüchtigen dürfen sterben, die anderen müssen überleben.

Die Uraufführung des zu viel versprechenden Stücks inszenierte Claus Peter Seifert mit großem Feingefühl für die Balanceakte am Abgrund. In ihnen konnten besonders die starken Schauspieler ihr Talent vorführen: Wenn Melina von Gagern und Milan Pesl in die schwindelerregende Tiefe unter einer Autobahnbrücke blicken, Daniela Voss zur Rockerbraut pubertiert, Markus Fisher seine Affären bilanziert und Uwe Kosubek gegen alle Vernunft charmant die Hoffnung zu personifizieren vermag.

Bis 24. 6., Tel. 089/53 29 78 29.

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