Brückenschlag von Louis Prima nach Haidhausen

- Die Räume des Jazz sind vielfältig. Sie reichen, wie man aus seiner Geschichte weiß, von zwielichtigen Etablissements bis in philharmonische Erhabenheit. Die dichteste Atmosphäre entwickelt sich in kleinem Rahmen: in der Kneipe, im Club. Wie in der "Unterfahrt", ab 1. April 1978 in der namensgebenden Eckwirtschaft am Haidenauplatz, seit fünf Jahren in den Tiefen des Kulturzentrums Einstein.

<P>Das ist einer der Endpunkte in Münchens Jazzgeschichte. Ihre Anfänge: im Café´ Luitpold, als Jazzband und Gesellschaftstanz noch eine Einheit bildeten; im "Annast", wo die Partei gegen swingende Musiker und Tänzer einschritt. Gleich nach dem Krieg dann beim "Hotclub" im Keller des Augustinerkellers, in den Resten der Türkenkaserne, später im Studio 15 an der Leopoldstraße, bei Freddie Brocksieper in der Universitätsreitschule, im Schwabinger "Allotria" und bald auch im "Domicile", der ersten Münchner Jazzstätte mit internationaler Ausstrahlung.</P><P>Nun also, seit 25 Jahren, die "Unterfahrt"; lange Zeit unter der Betreuung von Lisl Geipel und Christiane Böhnke-Geisse, heute betrieben von einem "Förderkreis". Die "Unterfahrt" ist mehr noch als andere Münchner Jazz-Stützpunkte gleichermaßen offen für das internationale Jazzgeschehen wie für das einheimische, für die Arrivierten ebenso wie für die Newcomer.</P><P>Wirkungsvolle Karrieren</P><P>Ein paar Tausend Namen ließen sich hier aufreihen, so etwa von Peter Brötzmann bis zu Uri Caine. Sehr berühmte waren darunter und viele aus München oder überhaupt aus Bayern. Für so manchen _ oder manche _ begann hier die Karriere oder wurde sie wirkungsvoll fortgesetzt: Harald Rüschenbaum, Johannes Enders, Jason Seizer; Jenny Evans, Carolyn Breuer, Carola Grey.</P><P>Den April 2003, diesen Jubiläumsmonat, will die "Unterfahrt" natürlich festlich begehen. Viele der Genannten werden noch zu hören sein, im Zusammenwirken mit vielen anderen Bekannten: Walter Lang und Rick Hollander, Johannes Herrlich und Thomas Stabenow, Joe Kienemann, dazu die Jazzabteilung des Strauss-Konservatoriums. Und aus internationalem Bereich: Arkady Shilkloper, Nils Wogram, Shelley Hirsch und Arthur Blythe, Dino Saluzzi am Bandoneon und Bob Stewart an der Tuba. Es trifft sich gut, dass in dieser Programmfolge ein weiteres Jubiläum Platz findet, das am 14. und 15. April gefeiert werden soll: das 60-jährige Bühnenjubiläum von Al Porcino. Mit seiner Trompete und an der Spitze seiner Big Band bringt er ein reich belegbares Kapitel aus der Jazz-Geschichte ein, einen Brückenschlag von Louis Prima über Frank Sinatra, Ray Charles und Count Basie nach Haidhausen in den "Einstein"-Keller.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Zurück in die Zukunft
Berlin. Harrison Ford und Ryan Gosling stellen in Berlin Szenen ihres neuen Kinofilms „Blade Runner 2049“ vor.
Zurück in die Zukunft

Kommentare