Brückenschlag über 500 Jahre

- Mit interessanten Konzerten hat das Münchner Projekt "Zeitklänge" schon des öfteren auf sich aufmerksam gemacht. In diesem Jahr wagten die Organisatoren den nächsten Schritt und riefen ein eigenes Festival ins Leben, bei dem es nicht allein um Alte oder zeitgenössische Musik gehen sollte. "Zeitgemäße Musik" hatte man sich stattdessen auf die Fahne geschrieben. Wobei sich ebenso gut auch das Motto "zeitlos" angeboten hätte.

Zwischen Chanson und Kunstlied

Ein Prädikat, das etwa Schuberts "Schwanengesang" zweifellos verdient hat. Vor allem dann, wenn er so frisch und unverbraucht erklingt wie bei Thomas Bauer und Uta Hielscher. Mag der Komponist diese Sammlung von Liedern ursprünglich nicht als Zyklus konzipiert haben, erschienen sie hier dennoch wie aus einem Guss: Der junge Bariton verknüpfte die einzelnen Stimmungsbilder klug miteinander und hielt den Spannungsbogen bis zur letzten Note.

Eine ähnlich emotionale Reise legte auch Salome Kammer zurück, die mit den Liedern aus Hanns Eislers "Hollywood Songbook" geschickt auf dem schmalen Grat zwischen Chanson und klassischem Kunstlied balancierte, bei Schumanns "In der Fremde" aber trotz kluger Textgestaltung an ihre Grenzen stieß.

Besser in der Kehle lag ihr die "Sequenza" von Luciano Berio, die Lothar Voigtländers "Fibodanza" sinnvoll ergänzte, da beide Komponisten gekonnt mit den Ausdrucksmöglichkeiten des jeweiligen Instruments jonglieren. Sei es nun die Stimme oder das Schlagwerk, an dem Marta Klimasara und Jürgen Spitschka ihre Virtuosität unter Beweis stellten.

War der Sprung von Schubert zu Berio schon gewagt, ging man beim anschließenden Nachtkonzert noch weiter, bei dem Wolfgang Rihms "Zwiesprache für Klavier" kurzerhand mit der rund 500 Jahre älteren "Missa pro defunctis" von Johannes Ockeghem verwoben wurde. Dabei fügten sich die schlichten Gesänge der Totenmesse erstaunlich gut zwischen die von Pianist Siegfried Mauser sensibel interpretierten musikalischen Porträts, die Rihm seinen verstorbenen Freunden und Weggenossen gewidmet hat.

Nach einem musikalisch dicht gepackten Programm bildete dieser Brückenschlag zwischen geistlicher und weltlicher Totenklage so den besinnlich ruhigen Ausklang für einen Abend, der trotz der Kombination verschiedenster Stilrichtungen dennoch als geschlossenes Ganzes im Gedächtnis bleibt.

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