Brünnhilde und der Streik

- Staatsintendant Sir Peter Jonas trägt seine übliche Streikansprache vor der Vorstellung deutlich aggressiver vor als noch vor wenigen Wochen. Die Stoßrichtung geht dabei relativ unverhohlen gegen die Landesregierung, Sir Peters Herz, so will es scheinen, gehört seiner Belegschaft, ohne die eine Reihe der anstehenden Staatsopernprojekte zu einem (halbszenischen) Desaster werden könnte.

Der Streik nervt. Nicht nur Peter Jonas, sondern auch das Publikum, das Opernaufführungen mittlerweile nicht mehr "in", sondern "nach" der Inszenierung eines Regisseurs zu sehen bekommt. So auch die "Götterdämmerung", mit der die Staatsoper ihre Wiederaufnahme von Wagners "Ring"- Tetralogie - nach einer Inszenierung von David Alden - abschließt.

Die reduzierte Fassung deckt unbarmherzig die Schwächen einer Regie auf, die, anstatt ein geschlossenes Konzept zu entwickeln, nur auf den Effekt aneinandergereihter Einfälle vertraut. Alden reißt vieles an und führt nichts aus. Gerade der zweite Aufzug ist eine einzige Vermengung verschiedenster Bildebenen, die beziehungslos nebeneinanderherlaufen und deren Elemente in einem sehr entfernten Orbit um den Kern des Musikdramas kreisen, bestenfalls zur Illustration der Wagner'schen Dichtung taugend.

Einzige Rettung der Inszenierung ist die Bühnenpräsenz des wie gewohnt hervorragenden Sängerensembles; die eines Matti Salminen zum Beispiel, der als Hagen nur mit der Augenbraue zu zucken braucht, um die ganze Hinterhältigkeit dieses Charakters zu beschwören. Mit rabenschwarzer Stimme und einer unglaublichen Kondition vielleicht der Beeindruckendste des ganzen Abends.

Ein Steigerungsphänomen Stig Andersen, der, ähnlich wie im dritten Teil des Münchner "Rings", als Siegfried von Beginn an kraftvoll auftritt und im Laufe der Aufführung noch hinzugewinnt, ehe er sichtlich abgekämpft den Heldentod sterben darf. Gabriele Schnaut ist noch immer eine Bravour-Brünnhilde, auch wenn sie sich in der tiefen Lage bisweilen ein wenig zu verheddern scheint. Erstaunliche Pianissimoeffekte gelingen der Sängerin im Schlussmonolog, den Dirigent Zubin Mehta leider ein wenig zu klebrig ansetzt. Ansonsten nur verdienter Applaus für ihn und das Staatsorchester, das am Ende seinen eigenen Vorhang sichtlich genießt.

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