Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen

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Hubert Unwirsch ist zurück: Auch in „Es geht weiter!“ schlüpft Bruno Jonas in die Figur eines Unternehmensberaters, der die Politik erklärt.

Bruno Jonas: Fuchs im Schafspelz

München - Bruno Jonas präsentiert sein neues Programm „Es geht weiter!“ im Münchner Lustspielhaus - und erklärt dem Publikum, was es mit Füchsen im Schafspelz auf sich hat.

Die Attacke von außen, aus der Position (behaupteter) persönlicher Integrität heraus – das war gestern, das ist „old school“. Der Kabarettist von heute wählt sich Alter Egos, die Teil des Systems sind, das er angreifen will. Und was eignet sich da besser als die in allen Farben schillernde Figur des (Unternehmens-)Beraters? Ja, Hubert Unwirsch ist zurück, jener Filou, den Bruno Jonas in seinem letzten Programm „Bis hierher – und weiter“ so grandios hat scheitern lassen, an sich und den Verhältnissen.

„Es geht weiter!“ lautet der Titel des neuen Programms, eine Botschaft, die schon alles sagt über eine (Finanz-)Welt vor, in und nach der Krise. Wie schon beim letzten Mal – da war’s der verspätete Flieger – ist eine Zwangspause die Grundsituation. Unwirsch, der sich wegen krummer Geschäfte vor Gericht verantworten musste (aber natürlich mit einem blauen Auge davonkam), ist zur Aufzeichnung einer Talkshow eingeladen. Die aber will und will nicht beginnen. Viel Zeit also, sich selbst ins rechte Licht zu rücken und zugleich die Rituale der deutschen (Medien-)Demokratie grell auszuleuchten.

Die Plauderrunde gehört selbstverständlich dazu, hier treffen sich Opfer und Täter, Arm und Reich, hier treten die „Meinungsdarsteller“ auf, hier und vor anderen (Pseudo-)Tribunalen sagt man Sätze wie „Ich bin unschuldig“ oder „Ich habe nichts gewusst“. Anzug und Krawatte stehen ihm wie immer gut – mit geradezu perfider Jovialität wirbt der Münchner mit niederbayerischen Wurzeln um Verständnis für Korruption („die Umwandlung von Geld in Verhalten“) und andere lässliche Sünden und fragt mit großer Geste: „Gibt es einen Menschen, der nicht käuflich ist – und wie hoch ist sein Preis?“

Genau wie im TV wird Jonas’ Publikum konfrontiert mit der Rhetorik der Profis, die noch die übelsten Mauscheleien elegant schönreden. Unwirsch, der Berater, ist selbst eine Art Politiker, der stets auf Freispruch wegen entschuldbarer Schwäche plädiert, denn, frei nach Schopenhauer: „Keiner kann, wie er will.“ Wer sich auf diesen verflixt schlauen Fuchs im Schafspelz einlässt, bekommt (Alltags-)Philosophie vom Feinsten vermittelt und lernt, dass Intelligenz nicht davor schützt, ganz bewusst Dummheiten zu begehen: „Ich weiß, es ist falsch, aber ich tu’s trotzdem.“ Und schon hat der Spötter die „Nach-mir-die-Sintflut“-Mentalität der Entscheider in Politik und Wirtschaft auf den Punkt gebracht.

Bruno Jonas ist ein Meister der subtilen Verwandlung, die keine Masken und keine Mundart braucht, um die Akteure auf den Bühnen in Berlin und anderswo dem Gelächter preiszugeben. Viel lieber bedient er sich ihrer Sprache, ihrer Formeln und Floskeln – und liefert zwischendurch die schönste Parabel über die Entstehung des internationalen Kapitalismus, die man sich vorstellen kann. Dass er am Ende ein wenig überzieht, weil Unwirschs Frauen auch noch ein Kapitel gewidmet wird – kein Problem. Es ist im Kleinen wie im Großen. Einem, der sich gut verkauft (und das Talent zur Selbstironie hat), kann man einfach nicht böse sein.

Rudolf Ogiermann

Weitere Termine: Bis 28. Mai dienstags bis samstags um 20.30 Uhr, Telefon 089/ 34 49 74.

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