Bruno Jonas. Foto: MM

Bruno Jonas und sein neues Programm

Vom Affen zum Homo bavaricus

München - Der (ziemlich neue) Biertisch nebst zwei Bänken auf der Bühne lädt zu Assoziationen ein. Ein jovialer, sagen wir, Endfünfziger, der gehobene Gemütlichkeit ausstrahlt, und ein Programm, das „So samma mia“ heißt – passt gut zusammen.

Wenn auf dem Tisch statt der Brezn nicht Bücher lägen, die signalisieren, dass es hier um mehr geht als um den mehr oder weniger glasigen Blick vom Stammtisch auf die Terra incognita drum herum.

Bruno Jonas hat mit seinem neuen Solo, das am Dienstagabend im Münchner Lustspielhaus Premiere hatte, das Milieu der schwarzen Ledersofas verlassen, statt des Unternehmensberaters Hubert Unwirsch tritt der Kabarettist höchstselbst seinem Publikum entgegen, als geborener Experte für bayerische Lebensart, als Denker, als (Hobby-)Anthropologe, dessen Forschungsgebiet weit über die Grenzen des Freistaats hinausreicht. „Was ist der Mensch?“ – darunter macht er’s nicht. Und liefert seinen Zuhörern mit dem Duktus des humanistisch Gebildeten eine kleine Evolutionsgeschichte von der Urzeit bis heute, vom Affen zum Homo bavaricus.

Das fängt ganz hinten an, führt von den Bäumen herunter in die Weite, es geht ums Stinken und ums Denken und darum, dass sich nicht nur Intelligenz vererbt. Und auch wenn die frühen Menschen noch keine Bayern waren, so lässt sich, wie Jonas mit großer Brillanz beweist, deren Mentalität am allerbesten durch die bairische Sprache beschreiben. Ob es sich um weibliche und männliche Chromosomen handelt oder um Adam und Eva und den Baum der Erkenntnis – mit Sätzen wie „Die macha mi fertig“ oder „I bin doch ned narrisch“ ist schon fast alles gesagt. Saustark, wie der Spötter die Entstehung „seines“ Stammes referiert – die Mischung aus Wissenschaftlichkeit und einfacher Sprache ist das Rezept, nach dem dieser Abend funktioniert.

Keine Jonas-Premiere ohne das Kokettieren mit noch nicht gänzlich auswendig gelerntem Text. Macht nix, wenn’s so richtig hängt, gelingen dem begnadeten Bühnentier besonders schöne Pointen. Doch ob’s nun im Skript steht oder nicht – nicht immer und an jeder Stelle passen Inhalt und „So samma mia“ zusammen. Und so kommt Jonas in seiner Lust, den Kosmos zu erklären, hier und da weit weg von der Bierbank, dann wirken seine Gedanken über die Zeit, die (Partei-)Politik, die Schule, die Religion oder den Humor wie angeklebt an den Rest. Und auch sein alter Lehrer vom Anfang, eine vielversprechende Figur, taucht bis zum Ende nicht mehr auf. In diesem Programm ist das eine oder andere noch Baustelle – aber bis jetzt ist ja noch (fast) jedes Projekt früher oder später ganz fertig geworden.

Rudolf Ogiermann

Weitere Termine:Bis 21. September, dienstags bis samstags, um 20.30 Uhr, Telefon: 089/34 49 74.

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