Niklas Süle schwer verletzt: FC Bayern bestätigt Horror-Diagnose

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Bayerische Landespolitik stets im Blick und München im Rücken: Kabarettist Bruno Jonas analysiert für uns die veränderte Parteienlandschaft.

Interview mit beliebtem Kabarettisten

Bruno Jonas: „Söder & Aiwanger - fürs Kabarett ein Super-Duo“

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Alle Augen sind zur Zeit darauf gerichtet, was bei den bayerischen Koalitionsverhandlungen hinter verschlossenen Türen passiert. In den Augen des beliebten Münchner Kabarettisten Bruno Jonas ist das neue Duo Söder-Aiwanger vielversprechend.

Die Landtagswahl hat Kabarettist Bruno Jonas nicht live im Fernsehen verfolgt – er war in der Oper. Allerdings hat er davor das Ergebnis getippt: Jonas, 65, lag bei der CSU fast richtig, nur die Stelle nach dem Komma stimmte nicht. Beim Besuch in unserer Redaktion nimmt sich der beliebte Kabarettist viel Zeit, zwischenzeitlich redet er sich in Rage und wechselt immer wieder zwischen Bairisch und Hochdeutsch.

Am Wahlabend haben alle von erdrutschartigen Verlusten für die CSU geredet. Ist die Zeit dieser Partei als bayerische Staatspartei für alle Zeiten vorbei?

Nüchtern betrachtet hat sich für die CSU wenig geändert. Ich habe nachgerechnet: Wenn ich die 37,2 Prozent CSU nehme plus Freie Wähler plus AfD plus Liberale plus die versprengten Konservativen, die die Grünen gewählt haben, dann kommen wir auf ein Ergebnis von rund 65 Prozent für den konservativen Block. Das ist ungefähr die Zahl, die Alfons Goppel schon 1978 für die CSU errungen hat.

Einer, der sich als großer Wahlsieger sieht, ist Hubert Aiwanger.

Die Freien Wähler, das sind im Grunde die Ur-CSUler. Der Hubert Aiwanger als Landwirt ist einer, der bei den Leuten draußen ankommt. Er ist ein niederbayerisches G’wachs und bedient das Bild eines Originals, das mit seiner selbstbewussten niederbayerischen Diktion den Leuten aus der Seele spricht.

Das ist also die Rückkehr der alten CSU in Gestalt der Freien Wähler?

Diese Urbayern in der CSU hat’s immer gegeben, aber die fühlen sich von der Laptop-CSU oft nicht mehr vertreten. Früher hat man bei uns gesagt: Die Preißn da drobm in Berlin wiss’n alles besser. Heute sagt man am Land draußen: Die Großkopferten in der Stadt mit ihren Vorschriften und die in Brüssel mit ihrer Bürokratie meinen, sie müssten uns erklären, wie wir zu leben haben. Das, was der Aiwanger repräsentiert, dieses „Da redn mir gar ned lang, des machma einfach“, das kommt an.

Zu Gast in der Redaktion: Bruno Jonas. 

Die Grünen hingegen sind regelrecht beleidigt, dass sie nicht regieren dürfen.

Logisch! Auf gut Bairisch gesagt: Denen stinkt es jetzt! Die Katharina Schulze und der Ludwig Hartmann haben fast das gesamte linke Lager auf sich vereint, und jetzt dürfen sie opponieren. Und zwar mit weniger Abgeordneten als zuvor die SPD. Die Grünen sind stärker geworden, aber als Opposition sind sie schwächer! Das ist eine Ironie der Geschichte!

Tatsächlich sind die Grünen thematisch zu ihren Wurzeln zurückgekehrt.

Ja, irgendwie schon. Atomkraft ist erledigt. Jetzt kümmern sie sich um die Rettung der Welt. Zuerst haben sie uns Angst gemacht mit dem radioaktiven Supergau und dem Waldsterben wegen dem sauren Regen, und jetzt machen sie uns Angst wegen dem Klimawandel. A bissl a Apokalypse haben sie immer im Angebot. Ich glaube, die Grünen entwickeln sich bald zu einer Religionsgemeinschaft, für die wir dann Kirchensteuer zahlen müssen.

Immer nur CSU-Bashing - „Ja mei, das ist nichts Neues“

Sie sind Künstler, die kulturelle Hoheit in diesem Wahlkampf hatten eindeutig die Grünen. Wenn man eine Kabarettsendung angemacht hat im Fernsehen, hat man nur CSU-Bashing erlebt.

Ja mei, das ist nichts Neues. Das ist normal. Die CSU hat sich aufrichtig bemüht, unsere Erwartungen zu erfüllen. Herausragend waren Markus Söders Kreuzerlass und seine Wortschöpfung vom „Asyltourismus“, Horst Seehofers 69 Geburtstagsabschiebungen und Alexander Dobrindts Analyse der Abschiebeindustrie. Das waren Vorlagen, die kein Kabarettist links liegen lassen konnte. Auch ich habe dieses Angebot dankbar angenommen, aber ich bin davon überzeugt: Kabarett ist, wenn man trotzdem denkt. Ich nehme für mich in Anspruch, selbstständig denken zu dürfen, quer zum herrschenden Diskurs und anders als der Mainstream es vorgibt. Sei es der in den links-grün dominierten Medien oder sei es ein anderer Mainstream, der gerade mal auf einer Demonstration gefordert ist. Ich trete deshalb auf keiner Demo auf, weil man dort als Kabarettist nur den Empörungsdienstleister geben kann. Wer dort quer denkt, ist fehl am Platz, weil die Demonstranten doch nur den Grund für ihre Anwesenheit bestätigt haben wollen. Den Leuten nach dem Mund zu reden, liegt mir nicht.

Sie sprechen von links-grünem Mainstream. Man hat den Eindruck, dass das Kabarett sich dort gerne einreiht.

Das kann schon sein. Beim „Scheibenwischer“ war es so, dass wir in dieser Sendung eine sozialdemokratisch-affine Satire im Angebot hatten. Die Lach- und Schießgesellschaft, das Kom(m)ödchen, die Stachelschweine haben sich bis in die Siebzigerjahre hinein für die SPD-Wählerinitiative engagiert. Die waren der Meinung, Satire müsse sich für eine bestimmte Partei ins Zeug legen. Das hat mich damals schon ein bisschen irritiert.

„Für mich gilt die Richtschnur: Ist das richtig oder falsch?“

Wann kam bei Ihnen ein Umdenken?

Spätestens mit Rot-Grün hab ich gedacht, das kann’s nicht sein, Pointen für die Regierung zu produzieren, um sie beim Machterhalt zu unterstützen. So wie ich die satirische Schreibweise verstehe, sollte sie sich kritisch distanziert mit politischem Handeln befassen, unabhängig von der parteipolitischen Ausrichtung. Diese Einordnung, links-rechts, konservativ-fortschrittlich spielt für mein Kabarett kein Rolle. Für mich gilt die Richtschnur: Ist das richtig oder falsch? Gibt es das richtige Handeln unabhängig von der Person und der Parteiideologie? Kann Horst Seehofer jetzt noch was Richtiges sagen oder wird es schon allein dadurch falsch, weil er es sagt?

Es gab wochenlang einen Riesen-Bohei um seinen Masterplan. Am Ende stand er als Verlierer da.

Ich habe da ein sehr interessantes Interview mit Peter Gauweiler gelesen, in dem er die Geschichte aus einem ganz anderen Blickwinkel erzählt. Danach hat Angela Merkel geschickt taktiert, um Seehofer schlecht aussehen zu lassen. Im Übrigen kann ich wenig Schlechtes daran finden, wenn zwei Demokraten, Seehofer und Merkel, den demokratischen Diskurs pflegen und um eine Position streiten. Das ist Demokratie!

Die Grünen haben rhetorisch schwere Geschütze aufgefahren.

Richtig. Die Grünen sind rhetorisch immer sehr feinfühlig. Katrin Göring-Eckardt hat sofort klar erkannt, dass „die CSU Europa in Geiselhaft“ nimmt. Und Robert Habeck, der allseits beliebte Vorsitzende der Grünen, fand für die CSU das Bild, sie laufe im Amokmodus. Amok? Was sagt der da? Amok bedeutet doch, dass da einer schießwütig in eine Menschenmenge hineinfeuert. Da laufen sie auf einer Demo mit, die zum „Aushetzen“ aufruft und fordern einen neuen Sprachstil in der Politik, befinden sich aber ganz offensichtlich selber noch in der Versuchsphase einer Doppelblindstudie. Der Kriminalschriftsteller Friedrich Ani hat auf dieser Demo behauptet, Seehofer stehe dem Gedanken der Nächstenliebe so fern wie Beate Zschäpe. Ausgehetzt?

Zurück zur Landtagswahl. Im Grunde hat der Wähler die politische Landschaft umgepflügt, aber es bleibt alles gleich.

Umgepflügt stimmt nicht ganz. Es bleibt der gleiche Acker, nur dass auf dem Acker jetzt verschiedene, ähnlich aussehende Pflanzen wachsen.

„Das wird ganz leicht. De zwoa verstengan sich.“

Es bleibt eine konservative Regierung. Aber das Regieren wird schwerer werden, oder?

Das wird ganz leicht. De zwoa verstengan sich. Fürs Kabarett wird das ein Super-Duo.

Die SPD hat im Wahlkampf immer behauptet: Lasst uns doch mal über die wichtigen Dinge des Lebens reden statt immer über Migration...

Das hat mich auch überrascht. Die Natascha Kohnen war der Meinung, dass Migration ja gar nicht das Thema sei. Die wurde eindeutig falsch gebrieft. Sie hätte sich in Niederbayern, wo ich herkomme, umhören sollen. In Deggendorf, in Passau, da, wo die Flüchtlinge reingekommen sind. Die Menschen dort haben Tausende von Asylbewerbern aufgenommen, sich tatkräftig gekümmert, waren enorm hilfsbereit, und dann haben sie sich von der Kohnen sagen lassen müssen, dass die Migration gar kein Thema sei. Da waren die Niederbayern not amused.

Auch dafür wurde die SPD bei der Wahl abgestraft. Bei Söder ist das Problem, dass man oft eine Inszenierung vermutet. Er hat eigenhändig ein Kreuz aufgehängt – und die Presse eingeladen.

Jetzt mache ich mal Politikberatung: Beim Kreuzerlass hätte ich als Ministerpräsident gesagt, wir treffen uns mit Kardinal Marx, mit Landesbischof Bedford-Strohm, mit Frau Knobloch, vielleicht nehmen wir noch einen liberalen Imam dazu, dann machen wir eine große Runde und diskutieren über das christliche Abendland. Und dann hängen wir gemeinsam ein alle verbindendes Integrationskreuz auf.

Es zweifelt ja keiner daran, dass Freistaat und Christentum irgendwie zusammengehören.

Es gibt schon welche. Aber natürlich ist dieses Land in erster Linie christlich geprägt, das habe ich schon in der Schule gelernt. 732, Schlacht bei Tours und Poitiers, Karl Martell wehrt die Araber ab. Da hat der Lehrer gefragt: „Und, was bedeutet das?“ Ich: Keine Ahnung. Er: „Wenn Karl Martell nicht die Araber besiegt hätte, daadst Du heid koane Weißwürscht fressen.“ Er wusste, dass ich aus einer Metzgerei stamme.

„Die Politiker dürfen der AfD nicht die Themen überlassen“

Wie soll man mit der AfD im bayerischen Landtag umgehen?

Die Politiker dürfen der AfD nicht die Themen überlassen, sondern sie in der Thematik mit Argumenten stellen. Es reicht eben nicht, sie zu beschimpfen, auf den Misthaufen der Geschichte zu wünschen und ihnen zu sagen, dass Hass hässlich macht. Das mag kurzfristig Spaß machen und die eigene Klientel erfreuen, aber in der politischen Auseinandersetzung, mit dem Ziel, AfD-Wähler wieder zurückzugewinnen, ist damit nichts gewonnen.

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Heuer feiern wir 100 Jahre Freistaat. Abschließend eine Prognose, wie Bayern in 20, 30 Jahren aussieht?

In meiner „Gebrauchsanweisung für Bayern“ habe ich mich ausführlich mit der bayerischen Geschichte befasst. Bayern hatte schon immer den Drang zur Unabhängigkeit, zur Eigenständigkeit. Das lässt sich nachvollziehen vom frühen Mittelalter bis in die Jetztzeit. Schon unter Karl dem Großen wäre das Herzogtum Bayern am liebsten unabhängig geworden. Es gehört zum Politikverständnis der CSU, diese Unabhängigkeit in Berlin und Brüssel herauszustellen. Seehofer hat in Berlin immer wieder versucht, die bayerische Karte zu spielen. Er hat der Merkel ein Ultimatum nach dem anderen gestellt, sogar mit dem Bundesverfassungsgericht gedroht und gesagt: „Wir Bayern machen das nicht mit!“

Es hat aber nicht geholfen.

So schaut’s aus. Seehofer hat seine Drohungen nie wahr gemacht. Er hat immer wieder wie der bayerische Löwe gebrüllt, und kurz danach saß er wie ein Kätzchen bei der Merkel am Kabinettstisch und hat Miau gesagt. Und am Wahlabend war der Katzenjammer groß.

Das Gespräch führten Georg Anastasiadis, Rudolf Ogiermann und Stefan Sessler.

Aktuelle Meldungen zu den Entwicklungen nach der Landtagswahl in Bayern lesen Sie in unserem News-Ticker

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