Brutale Attacken aus dem Mölltal

- Bis zur Schmerzgrenze trieb George Lopez, der im Kärtner Mölltal lebende Kubaner, die Klänge in seinem "Breth - Hammer - Lightning", das im musica-viva-Konzert des BR in der vollständigen Fassung uraufgeführt wurde (Münchner Herkulessaal). Dass der anwesende Komponist ein paar Buhs abbekam, lag vermutlich auch an diesen brutalen Attacken, in denen mächtige Hämmer (Mahler war dagegen ein dezentes Vorbild) geschwungen werden.

<P>Am interessantesten wirkte die räumliche Auffächerung des Klangs. Nach und nach verließen fast sämtliche Violinen und Bratschen das Podium, verteilten sich im Raum, wo schon das Blech postiert war, und hüllten den Hörer quasi ein. Viele Generalpausen geben dem anfangs sehr dichten in seiner Struktur kompakt wirkenden Stück zunehmend etwas Zerrissenes. Die Partitur schien brüchig und spröde zu werden, trotz der vehementen, rabiaten Akzente.<BR>Lopez' halbstündiges Opus, dessen Erstfassung er 1991 schuf, war das auch kompositorisch aufwändigste Werk des Abends, den Michael Gielen als großer alter Mann der Neuen Musik eindrucksvoll leitete.</P><P>Es ist immer wieder schön, zu erleben, wie uneitel und kompetent er sich für die Musik der Zeitgenossen einsetzt: Zu Beginn des Abends für den "Dreaming River" des 48-jährigen Schweden Anders Hillborg. Ein klanglich effektvolles Stück, in dem sich die Schichten überlagern, das ein fast spätromantisches, süffiges Streicher-Adagio aufbietet und seinen besonderen Reiz durch die beiden trötenden chinesischen Oboen und das Schlagzeug bezieht.</P><P>"Xenia" des zur Zeit in Heidelberg lebenden, 50-jährigen russischen Komponisten Alexander Raskatov gefiel zunächst durch seinen gläsern-zarten, glockenspielhaften Charakter auf, der an eine Kinderszene denken ließ.</P><P>Obwohl Michael Gielen auch hier das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks als souveräner Sachwalter führte, konnte er nicht verbergen, dass die Mittel eigentlich nach der Hälfte ausgereizt waren. Trotzdem freundlicher Beifall - zuvor auch für den angereisten Anders Hillborg.<BR></P>

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