Brutalität der Gefühle

- Ein junger Mann pachtet in Yorkshire ein Gut. Wohlerzogen wie er ist, will er dem Besitzer seinen Antrittsbesuch machen - und gerät in eine höchst unangenehme Situation. Nicht nur dass man ihn unverschämt bis brutal behandelt, er muss außerdem die heulende Verzweiflung eines Gespenstes erdulden und - die des doch eigentlich rohen Grundherrn. Was hat es mit diesem finsteren Heathcliff auf sich? Warum knechtet er seine Familie derart grausam?

Alle Geheimnisse um "Wuthering Heights", um "Sturmhöhe", so der Titel von Emily Brontës berühmtem (und einzigem) Roman erfahren wir und der Zugereiste (Sprecher: Wolfram Koch) von einer Dienerin. Dieser allwissenden, mitleidenden Frau, die keine Macht hat, aber Moral, verleiht Eva Mattes eine wunderbar ruhige Stimme. So wie die Autorin (1818-1848), deren Werk 1847 unter dem Namen Ellis Bell erschien, die Gefühlsausschläge ihrer Figuren durch die Form der Rahmenerzählung ästhetisch bändigt, so schafft Mattes mit ihrem Vortrag eine abgeschirmte Zone. In der ist es dem Hörer möglich, dem Geschehen und den Persönlichkeiten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

"Sturm" und "Windstille" wechseln sich ab, deshalb erhöht sich die Spannung. Vor allem aber zollen sie dem Roman den nötigen Respekt. Denn er ist in seiner Schonungslosigkeit atemberaubend: ein Emotions-Tornado, den wir Heutige der Reifrock-Zeit nicht zutrauen.

Emily Brontë: "Sturmhöhe" (Patmos).

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