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„Buba“ bei Netflix: Bjarne Mädel ist im Schmerz geboren

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Von: Michael Schleicher

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Szene aus dem Netflix-Film „Buba“ mit Bjarne Mädel.
„Buba“ bei Netflix: Bjarne Mädel als Jakob Otto, den sie nur „Buba“ nennen. © Bernd Spauke/Netflix

„Buba“ ist zurück bei Netflix: Bjarne Mädel spielt seine Kultfigur aus der Netflix-Serie „How To Sell Drugs Online (Fast)“ nun in einer vogelwilden Krimikomödie im Tarantino-Stil. Unsere Kritik:

Sein Lebenssinn ist Schmerz. Je brutaler, desto besser. Hiebe, Schläge, Stiche, Verbrennungen: Jakob Otto, genannt Buba, giert nach allem, was wehtut – und erträgt es gerne noch ein bisschen länger. Der Mann, den Bjarne Mädel in „Buba“ mit großer Gelassenheit spielt, ist aber alles andere als irr. Ein furchtbares Unglück und eine beschissene Erziehung haben ihn zu dem Schmerzensmann werden lassen, als den wir ihn in Arne Feldhusens neuem Netflix-Film kennenlernen: Als Bub saß er nur zufällig nicht im Auto, als die Eltern bei einem Unfall starben. Die grausame Oma und der hinterfotzige Bruder sorgten fortan dafür, dass Jakob im Glauben aufwuchs, er müsse alles Positive mit Negativem ausgleichen. Nur wenn es ihm schlecht geht, lautet die absurde Theorie, geht’s allen anderen gut. Also versucht er, sich das Leben so unangenehm wie möglich zu gestalten; ertragene Schmerzen und erlittenes Unglück notiert er gewissenhaft im „Negativ-Tagebuch“.

Klingt furchtbar, gewiss. Ist aber vor allem: sehr komisch und rasant erzählt. Arne Feldhusen und seinem engagierten, mit enormer Freude agierenden Ensemble glückt mit diesen 94 Minuten ein feines Genre-Stück, eine derbe Krimi-Komödie – inspiriert von Tarantino und den Coen-Brüdern.

Netflix-Film „Buba“: ein vogelwilder Spaß

Natürlich ist „Buba“ auch ein Wiedersehen mit einer (Neben-)Figur aus der Netflix-Serie „How To Sell Drugs Online (Fast)“. Jakob Otto überlebte die erste Staffel jener Produktion nicht; der Film erzählt nun seine Vorgeschichte – und macht sich zum Glück unabhängig von der Reihe. Dafür sorgt das Drehbuch von Sebastian Colley und Isaiah Michalski, das der Geschichte so viel Dampf, Witz und Absurdes verpasst, dass sie über alles Erwartbare hinwegfegt.

Szene aus dem Netflix-Film „Buba“ mit Georg Friedrich als Dante.
Georg Friedrich spielt im Netflix-Film Bubas Bruder Dante. © Bernd Spauke/Netflix

Nach „Stromberg“ und dem „Tatortreiniger“ markiert der Film die dritte Zusammenarbeit von Regisseur Feldhusen mit Bjarne Mädel. Dass der Schauspieler über eine schier unglaubliche Wandlungsfähigkeit verfügt, braucht wirklich nicht mehr erwähnt zu werden. Bemerkenswert ist, wie er hier in all der Action, dem Wahnwitz und den Klischees die Gestaltung seiner Figur reduziert und zurücknimmt. So glückt es Mädel, diesen Buba als das zu zeigen, was ihn letztlich ausmacht: als Menschen.

„Buba“ bei Netflix: Neben Bjarne Mädel beeindrucken Georg Friedrich und Maren Kroymann

Und doch ist dies ein Ensemble-Film, bei dem merklich Liebe und Energie in alle Figuren gesteckt wurde. Georg Friedrich macht aus Bubas Bruder Dante ein öliges, durchtriebenes Würstchen, das so gerne fett im Geschäft wäre. Maren Kroymann braucht kaum zehn Sätze, um ihrer Clan-Chefin Doro eine Aura der Gefahr zu geben: Keine isst so bedrohlich Kuchen wie Kroymann in dieser Rolle. Anita Vulesica verpasst als Jule nicht nur Buba einen Stich ins Herz, und Michael Ostrowski verfeinert einmal mehr die Kunst der Gestaltung scheinbar kleiner Rollen.

Szene aus dem Netflix-Film „Buba“ mit Maren Kroymann.
Wie immer herrlich: Maren Kroymann, die in „Buba“ die Clan-Chefin Doro spielt. © Bernd Spauke/Netflix

Nicht unterschätzt werden darf der Anteil, den Yoshi Heimrath am Gelingen dieses Film hat. Er wechselte gerne die Objektive seiner Kamera und fand so eine für deutsche Produktionen noch immer mutige, weil ungewöhnliche Optik. „Buba“ springt virtuos zwischen Fischaugen-Perspektive und Panorama-Aufnahmen. Der Münchner, der die Kamera etwa bei „Berlin Alexanderplatz“ (2020) führte, versteht es, die idealen Bilder zu kreieren, um die Geschichte zu erzählen – und die ist manchmal so verzerrt wie Bubas Sicht auf sich. Seine Oma habe ihm gesagt, das Leben sei wie im Märchen, sagt er einmal. „Genauso grausam.“ Wir aber wissen nun: Die Alte hatte ja keinen Schimmer. Dieses Leben ist ein großer Spaß.

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