Ein Buch verkauft sich wie verhext

- München - Mit Harry Potter ist Erfolgsautorin Joanne K. Rowling ein neuer Rekord gelungen: Sie ist als wohl erste Autorin gleich mit fünf Büchern unter den ersten zehn Rängen der neuen "Spiegel"-Bestsellerliste. Nachdem in der vergangenen Woche der neueste Band "Harry Potter und der Orden des Phönix" auf Anhieb an die Spitze der Bestenliste gestürmt war, rückten nun auch alle älteren Potter-Bände nach vorne.

<P>Die Zahlen grenzen an Hexerei: Mittlerweile haben sich die Geschichten über den Zauberlehrling weltweit mehr als 250 Millionen Mal verkauft. Harrys Abenteuer wurden in 60 Sprachen übersetzt und machten Rowling zur bestverdienenden britischen Schriftstellerin aller Zeiten.</P><P>Der Erfolg hat einen Preis. Kein anderes Kinder- oder Jugendbuch ist so umstritten wie die Potter-Serie. Bayerns Familienministerin Christa Stewens sah sich vor Erscheinen des neuen Bandes veranlasst, an die Eltern zu appellieren, sich mit den Lesegewohnheiten ihrer Kinder auseinander zu setzen. "Besonders bei Harry Potter war schon in der Vergangenheit die Tendenz zu immer spannungsgeladeneren und zum Teil sehr aufwühlenden Inhalten zu beobachten", kritisiert Stewens. Dies gelte nicht nur für Verfilmungen, sondern auch für die Bücher selbst. "Zwar wirken gerade filmische Darstellungen noch intensiver auf junge Menschen. Aber auch das Lesen von bedrohlichen oder unheimlichen Szenen kann sich auf die Psyche von Kindern auswirken und diese unter Umständen sehr überfordern", mahnt die Ministerin, die ihre Hände gebunden sieht. </P><P>Denn nach dem Jugendschutzgesetz gibt es lediglich die Möglichkeit, besonders schwer kinder- und jugendgefährdende Schriften zu indizieren. Eine Umfrage an Gymnasien in Oberbayern ergab, dass die jungen Leser der Lektüre nicht unkritisch gegenüberstehen, besonders die Darstellung von Aggression und Gewalt ablehnen. Auch den "Suchtfaktor" der spannenden Serie betrachten manche Jugendliche durchaus kritisch.</P><P>Ein Blick in die Praxis zeigt: Potter regt nicht nur zum Lesen an, sondern auch zum Teilen. Clara Diekmann (16) aus Gmund (Kreis Miesbach) musste ihren ergatterten fünften Teil mit ihren beiden Geschwistern (12 und 14) teilen. Die Älteste bekam das Vorrecht. Nicht wegen des Alters, sondern weil sie "am schnellsten liest", sagt Clara. In vier bis fünf Tagen hat die Schülerin der 10. Klasse den bislang dicksten Band verschlungen. Ihre Eltern sahen Clara in dieser Zeit nur zum Essen, sie wechselte zwischen der bequemen Lage auf dem Sofa und dem warmen Bett.</P><P>Daniela Eder (15) aus Dorfen (Kreis Erding) war im Februar zum Schüleraustausch in Australien. Um ihr Englisch weiter zu verbessern, hat auch sie sich im Sommer die englische Fassung der Abenteuergeschichte gekauft. "Da hab ich mich dann erst mal abgemeldet", sagt sie schmunzelnd. Aber das sei ihren Eltern egal gewesen, schließlich gehe es ja ums Lesen.</P><P>Auch Fionán O'Dúill (13) aus Pfaffenbichel (Kreis Rosenheim) hat den fünften Band auf Englisch gelesen - in den Sommerferien in Irland. In zwei Tagen war Fionán mit dem Buch fertig. "Da war nur eine kurze Nachtruhe drin", gesteht der Schüler des Rosenheimer Karolinen-Gymnasiums - und da war er wohl nicht der einzige. Denn die "wahren Fans" sind mit Teil fünf des Kinderbuches schon längst fertig.</P><P>Was Clara, Fionán, Daniela und andere Harry-Potter-Fans von den neuesten Abenteuern des populären Nachwuchs-Magiers halten, haben sie in kurzen Rezensionen zusammengefasst.<BR></P> 

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