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Lothar-Günther Buchheim schuf „Rosa Haus mit Palme“ (Aquarell mit Tusche) im Jahr 1969.

Buchheim Museum zeigt Werke des Gründers

Bernried - Zarte Frühlingsgefühle? Sicher nicht. Eher schon ziehen hier frühzeitige Sommergewitter auf. Es ist die Wucht des Südens, die einen jetzt unvermittelt im Bernrieder Museum trifft.

Ein Bild, ein Mensch, eine Lebensdevise: Lothar-Günther Buchheim (1918-2007) hat so aufbrausend gemalt, wie er gelebt hat. „Ich muss außer mir sein“ – dieses Postulat wird in der neuen Sonderausstellung sichtbar.

„Malen ist wie Schlafwandeln auf dem First. Mich darf keiner anrufen. Wenn es doch einer tut, ist es aus. Mein Bild stürzt ab.“ Dann muss Buchheim warten, dass ihn „der Blitz noch einmal trifft“. Liest man das, fällt einem noch eine Trilogie ein: der Künstler, das Genie, die Eingebung. Hier sorgt jemand für einen Mythos. Und erstaunlicherweise lebt der Mythos: Jetzt, fünf Jahre nach seinem Tod, ist Buchheim wieder so „instinktiv und impulsiv“ präsent, wie er es immer gefordert hat. Bisher nicht gezeigte „südliche Landschaften“ füllen den großen Saal mit einer stürmischen Seele.

Es ist eine letzte große Buchheim-Schau, bevor das Museum einen neuen, überfälligen Weg einschlägt. Zum ersten Mal nach elf Jahren wird sich die Stiftung öffnen, freute sich gestern die Kuratorin Clelia Segieth, und wartete auch gleich mit einer Berliner Kooperation auf: Die Holzstöcke des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff werden ab Juli gezeigt. Zudem wird heuer mit indischen, japanischen und neuen expressiven Schwerpunkten ein frischer Wind wehen.

Momentan ist es ein ordentlich schwüler Südsturm, der einem um die Nase weht. Es ist ein Höhepunkt in Buchheims Schaffen, zeitlich eingebettet zwischen den frühen Frankreich-Bildern der Nachkriegsjahre und den bekannten „Tropen von Feldafing“ der 70er. Buchheim reiste wiederholt nach Italien und Spanien. Mit ihm kann man sich nun durch düstere Alpentäler unter tiefblauem Himmel auf den Weg machen. Es ist eine ganz eigene Mischung aus Aquarell und Tusche, die Buchheim dabei aufs Blatt wirft: „zeichnend zu malen und malend zu zeichnen“. Unverkennbar die Handschrift, die sich durch seine „vergitterten“ Wald- und Feld-Bilder hindurchwühlt zu weichen, weiten Farbverläufen, über die schon im nächsten Blatt wieder ein Sturm hinwegbraust.

Ist das italienische Montegrotto 1969 noch winterlich karg und duster, so ist es sechs Jahre später überspannt von einem gelben Himmel, der Blick für kleinteilige Struktur hat sich einem ganzheitlichen, großräumigen Erfassen geöffnet. Auch den Farbräuschen im venezianische Chioggia ging die große Befreiung seit 1969 vor allem auf den Spanienreisen voraus: Den Zustand der Natur will Buchheim mit seinem Inneren übereinbringen, Dokumentation und Emotion mischen sich. Rhythmen, Strukturen verstärken und in Balance bringen: Das sieht er als seine Aufgabe. Dabei ist das Motiv weniger entscheidend als der Blickwinkel. Was zunächst in der Ausstellung als ständige Wiederholung erscheint, entpuppt sich bald als Gespür für Details ganz im Sinne der ersten Freilichtmaler. Buchheim ist insofern auch ein klassischer Maler, der Im- und Expressionismus zusammenbringt.

Bis 24. Juni, Telefon 08151/ 99 700.

Freia Oliv

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