Buch-Stopp über Porno-Branche in der NS-Zeit

- Nach dem Stopp seines Romans "Endstufe" über Pornofilme während der NS-Zeit hat sich Autor Thor Kunkel vom Rowohlt Verlag distanziert. Er sei "traurig bis hin zum Nervenzusammenbruch" über den Rückzug des für März angekündigten Buches, sagte Kunkel in einem am Sonntagabend gesendeten Interview des ARD-Kulturmagazins "Titel, Thesen, Temperamente" (ttt).

Zudem wies er die Behauptung des Verlags zurück, beide Seiten hätten über inhaltliche Begründungen Stillschweigen vereinbart. "Das stimmt nicht. Ich habe gesagt, dass ich der Meinung bin, dass unsere Positionen so verschieden sind, dass wir einfach keine gemeinsame Presseerklärung abgeben können." Der Rowohlt Verlag wollte am Montag zu Kunkels Äußerungen keine Stellung nehmen.<BR><BR>Man halte sich weiterhin an die Vereinbarung, mit Inhaltlichem nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte eine Verlagssprecherin. Das gelte für Angaben sowohl zu den kritisierten Passagen als auch zu dem späten Zeitpunkt des Rückziehers. Rowohlt hatte Ende vergangener Woche unter Hinweis auf Differenzen in "inhaltlichen und ästhetischen Fragen" mitgeteilt, beide Seiten hätten den Vertrag aufgelöst. Die Probleme seien in der letzten Phase der Lektoratsarbeit aufgetreten.<BR><BR>Der Roman des für sein Buch "Schwarzlicht-Terrarium" (2000) preisgekrönten Autors beschäftigt sich mit einem laut Verlag wahren Hintergrund: den "Sachsenwald-Filmen". Die 1940/41 von Biologen und Hobbyfilmern des Berliner SS-Hygiene-Instituts gedrehten Pornos sollen im Ausland gegen Rohöl und Eisenerz eingetauscht worden sein.<BR><BR>Das Magazin zitierte aus einem Schreiben von Verleger Alexander Fest. Darin empfehle er dem Autor, man möge die Angelegenheit klein halten: "Sie ahnen allenfalls, wie angreifbar Sie in mancherlei Hinsicht sind und mit welcher Wucht dieser Angriff unter Umständen kommen kann." Fest hatte kürzlich die Auslieferung des im Tochterverlag Kindler erschienenen Buches "Ich musste auch töten" der angeblichen ehemaligen israelischen Geheimdienstagentin Nina Zamar gestoppt. Grund waren Zweifel an der Authentizität der Aussagen.

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