Bühne frei für die Komikerin

- "Ach, wir armen Primadonnen", seufzte und trillerte Edita Gruberova und outete sich als wunderbar selbstironische Komikerin, begleitet vom schmunzelnden Lebenspartner Friedrich Haider. Ob die beiden jenes koloraturgespickte Chanson, das der Diva auf die Kehle geschneidert ist, gemeinsam "verbrochen" haben? Einen Komponisten verrieten sie jedenfalls nicht. Und setzten doch das Publikum im ausverkauften Herkulessaal unter Strom: Es sprang von den Stühlen und feierte seinen Opernstar, der sich hier auf "Abwege" gewagt hatte.

Die Gruberova, Königin des Belcanto, zuletzt an der Staatsoper als Queen Elizabeth I. in "Roberto Devereux" umjubelt, stellte ihre hohe Kunst diesmal in den Dienst Franz Schuberts und Richard Strauss'. Doch die Liedkomponisten sind damit nicht gleichermaßen gut bedient wie Gruberovas Leibgarde Donizetti, Bellini, Verdi. Auf deren Drahtseilen kann sie ihre akrobatischen Gesangskünste stilsicher und ausdrucksintensiv ausleben - bei Schubert ist das anders.<BR><BR>Obwohl der Aufbau klug gewählt war und Haider sensibel und souverän begleitete, wirkten die ersten Lieder ("Geheimes", "Lachen und Weinen", "Nacht und Träume") allzu manieriert (etwa in den kunstvoll zelebrierten Pianissimi), stellte die Gruberova ihre stupende Technik zu sehr aus, sang zu wenig Schubertsche Linie. Doch sobald der Ton ein wenig dramatischer, die "Szene" theatralischer wurden, da war sie da: Ihr "Gretchen am Spinnrad" packte spontan. Im "Hirt auf dem Felsen" wetteiferte ihr Sopran mit der Klarinette, vom Klavier fürsorglich "unterfüttert", bis hin zum gemeinsamen Sieg. Denn trotz sichtbarer Nervosität gestaltete auch die blutjunge Bettina Faiss (BR-Symphoniker) ihren Part mit schönem Ton, geschmeidig und differenziert. Bei Strauss - erst einmal "In der Fülle" angekommen - blühte Gruberovas Koloratursopran satt auf zur "Heimlichen Aufforderung" und zum Jubel der "Zueignung".<BR><BR>Selbstverständlich in makelloser Intonation und mit perfekt sitzender Höhe, von Friedrich Haider mit Genuss am schillernden Klavierpart beflügelt. Da wurden Erinnerungen wach an eine zauberhafte Zerbinetta - damals in Salzburg mit Böhm und Dorn. Doch bevor man in Erinnerungen versank, kickte die Gruberova den Zuhörer mit ihren Zugaben wieder ins Diesseits: Mit Dvoráks "Gute Nacht" und ihrem hinreißend komischen Selbstporträt. Bühne frei für die Komikerin! <BR>

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