Für die Bühne geboren

- Die Vorzeichen waren nicht gut: Die Presse steht auf Kriegsfuß mit dem Management, die Fans sind wegen angeblich verramschter Tickets verunsichert, und es regnet ununterbrochen. Aber rechtzeitig zu Konzertbeginn reißen die Wolken auf. In dem Moment, in dem Robbie Williams seinen Arbeitsplatz betritt, ist die Welt im Olympiastadion zu München (nein, es war nicht ganz ausverkauft) wieder in Ordnung.

> Bildergalerie: Robbie-Williams-Fieber

Nüchtern betrachtet ist die Darbietung musikalisch nicht weiter aufregend, aber darum geht es hier ohnehin eher am Rande. Im Mittelpunkt steht die Show, und davon versteht Williams eine Menge. Mit einem untrüglichen Instinkt für die richtige Geste zum richtigen Zeitpunkt, setzt er sich als Entertainer in Szene und führt charmant-schlitzohrig durch seine Robbie-Williams-Revue. Er biedert sich freilich nicht an, sondern spielt selbstironisch mit seinem Star-Status, das macht ihn in der Pop-Szene so besonders.

Robbie Williams gibt im Unterschied zu all den anderen Popstars eben nicht vor, ein ganz normaler Kerl zu sein, der nur zufällig im Rampenlicht steht. Er will geradezu zwanghaft unterhalten, und, was soll man sagen, er kann es auch. Wer an diesem Abend keinen Spaß hat, ist selber schuld, denn Williams ist für die Bühne geboren. Er funktioniert wie ein Dynamo. Je mehr Begeisterung er hervorruft, desto weiter dreht er auf und schleudert noch mehr Energie zurück in die Nacht.

Dank an die treuen Fans

Beachtlich ist dabei, wie diszipliniert Williams seine hochprofessionelle Show durchzieht und gleichzeitig Kontakt zu den Fans hält. Kommunikation ist sein großes Talent. Er springt von der Bühne, um die Anhänger in der ersten Reihe, die da seit dem Nachmittag ausharren, abzuklatschen; reagiert spontan auf hochgehaltene Transparente und stellt in Radebrech-Deutsch mit Hilfe der Video-Leinwände die Zuschauer am anderen Ende des Stadions zur Rede, die bei der Zugabe wegen des einsetzenden Regens flüchten.

Zwischendrin parodiert er mit beachtlicher Gehässigkeit seine ehemaligen Kollegen der Boy-Group Take That oder zieht über das Berliner Publikum her ("Ihr seid hier viel besser drauf"). Ein bisschen anmaßend und provokant ist das, aber genau das mögen die Leute an Williams: Der Bursche macht, was er will und kommt damit durch.

Nur einmal wirkt Williams ungewohnt befangen, als er sich auffallend lange für die Treue der deutschen Fans bedankt. Als die dann als Reaktion eine komplette Strophe seines Hits "Feel" übernehmen, fehlen Robbie Williams zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend die Worte. Ein gepresstes Danke lässt ahnen, wie wichtig ihm nach all den Querelen im Vorfeld ein gelungenes Konzert war.

Pitschnass, erschöpft, aber glücklich lässt sich Williams nach zwei Stunden Hochleistungs-Entertainment frenetisch feiern. Er hat es sich redlich verdient.

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