Auf die Bühne geschubst

- Für das Publikum der Münchner Kammerspiele ist er schon fast zur Institution geworden, der irische Autor und Regisseur Enda Walsh (38). Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn seit 2001 mit dem Theater. Sein Stück "Chatroom" hat nun im Neuen Haus Premiere.

<P>In "Chatroom" spielen Jugendliche aus dem "M8Mit!"-Club der Kammerspiele die Hauptrollen. Wie war es, mit den jungen Laien zu proben?<BR><BR>Walsh: Das hat mir ungeheuer viel Freude gemacht. Wir hatten eine tolle Zeit und haben oft gelacht, und eigentlich musste ich gar nicht viel machen. Ich schubse sie raus auf die Bühne, gebe ihnen Selbstvertrauen und erkläre, wie sie sich das Stück zu eigen machen können. <BR><BR>Sie schreiben über 15-Jährige, also genau über das Alter Ihrer Darsteller. Wie haben die denn Ihr Stück aufgefasst, waren sie sehr kritisch mit Ihnen?<BR><BR>Walsh: Ganz im Gegenteil, sie waren sehr milde. Sie mögen meine Figuren, weil sie genauso starke Meinungen haben wie sie selbst. Sie glauben meinen Worten und meinem Stück, das ist ein Riesenkompliment.<BR><BR>Wie waren Sie selbst denn mit 15 Jahren?<BR><BR>Walsh: Ich war wie sie in einer Theatergruppe. Ich probierte mich aus, stritt mit meinen Eltern und all das. Ich hörte ziemlich seltsame Musik, und es ging darum, aus der Menge herauszustechen. Aber eben nicht zu sehr. <BR><BR>In Ihrem Stück spielt der Selbstmord unter Jugendlichen eine zentrale Rolle. Wie haben Sie sich diesem Thema genähert? <BR><BR>Walsh: Ich habe Nächte vor dem Computer verbracht und mich in Selbstmord-Chatrooms eingeloggt. Jugendliche unterhalten sich da, wie man sich am besten umbringt, welche Pillen man dafür benutzt. Ich glaube, fast jeder Jugendlich denkt mal darüber nach, wem es Leid täte, wenn er sich umbrächte. In der gesichtslosen Welt des Internets denken sie laut über diese Möglichkeit nach.<BR><BR>Aber das Stück ist nicht nur etwas für Teenager?<BR><BR>Walsh: Wenn sich ein Erwachsener zu uns verirrt, auch gut. Aber eigentlich schreibe ich besonders gern für junges Publikum. Als ich 15 war, hätte ich gerne solche Stücke gesehen. Meine Figuren benutzen Umgangssprache, sind cool und clever, gleichzeitig auch ganz schön ätzend. Das hätte mir imponiert. <BR><BR>William plädiert in Ihrem Stück dafür, "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling umzubringen. Welche Lektüre empfehlen Sie denn Kindern?<BR><BR>Walsh: Natürlich auch "Harry Potter" und dergleichen. Bei William ging es mir vor allem darum, dass er eine besonders provokante Meinung vertritt. Er fühlt sich von den Erwachsenen hintergangen. Das ist so, als würde man herausfinden, dass es gar keinen Weihnachtsmann gibt. Es ist ja nur ein paar Jahre her, dass diese 15-Jährigen Kinder waren. Sie wittern eine Verschwörung: Wenn die Erwachsenen da gelogen haben, welche Lügen haben sie noch auf Lager? </P><P>Das Gespräch führte Petra Schönhöfer</P>

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