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Sie will doch nur malen: Elâ Wolf, die Protagonistin in „Jein“ von Büke Schwarz.

Künstlerin Büke Schwarz veröffentlicht Graphic Novel „Jein“

„Jein“ – ein starkes Comic-Debüt

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Büke Schwarz hat Malerei und Grafik in Berlin und London studiert. Jetzt hat die Künstlerin ihren ersten Comic veröffentlicht. Die bemerkenswerte Graphic Novel „Jein“ ist im Berliner Jaja-Verlag erschienen.   

Als im April 2017 die Türken mit knapper Mehrheit für die Einführung eines Präsidialsystems stimmen, wird in Berlin Elâ Wolf von der Entwicklung überrollt. Einer Welle gleich schwappt die Entscheidung, Präsident Erdogan mit noch mehr Macht auszustatten, über sie hinweg, spült sie einfach um. Erbarmungslos.

„Jein“ ist in Schwarz-Weiß gezeichnet

Es sind nur vier Panels, die Büke Schwarz für jene Episode braucht – und doch erzählen die vier Einzelbilder alles über Elâs Sorgen und Ängste in diesem Moment. Die junge Frau steht im Zentrum von „Jein“, Büke Schwarz’ Comic-Debüt. Man darf vermuten, dass die 1988 in Berlin geborene Künstlerin, die Malerei und Grafik in ihrer Heimatstadt sowie in London studiert hat, hier eigene Erfahrungen hat einfließen lassen.

Büke Schwarz sollte das Buch im Münchner Literaturhaus vorstellen

Bemerkenswert ist diese Graphic Novel jedoch aus einem anderen Grund: Gerade in Zeiten, in denen es für viele Menschen nur ein „Ja“ oder „Nein“, Schwarz oder Weiß zu geben scheint, zeigt „Jein“, dass das Leben komplexer ist – und einfache Antworten oft unmöglich sind. Die Türken konnten beim Referendum zwischen „Evet“ (Ja) oder „Hayır“ (Nein) wählen – fortan wirkt es, als müsse auch Elâ, die zwar einen türkischen Vater hat, aber Berlinerin ist, Position beziehen. Wie schwierig das gerade bei emotional aufgeladenen Themen wie der Identität ist, davon erzählt Schwarz mit großer Leichtigkeit. Denn sie berichtet eben auch vom Alltag einer jungen Frau, die beruflich vor dem Durchbruch steht. Passend zum Grundthema des Buchs setzt die Künstlerin die Geschichte in schwarz-weißen Tuschezeichnungen um, die viele Grautöne zulassen – wie das Leben eben. Ihr lässiger, mitunter schnoddriger Strich trägt viel dazu bei, dass man gebannt weiterliest.

Eigentlich hätte Büke Schwarz „Jein“ dieser Tage im Münchner Literaturhaus vorstellen sollen. Ob es gut wäre, wenn dieser Termin nachgeholt wird? Diese Frage immerhin lässt sich eindeutig beantworten.

Informationen zum Buch:

Büke Schwarz: „Jein“. Jaja Verlag, Berlin, 232 Seiten; 24 Euro.

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