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Bülent Ceylan.

Show in der Olympiahalle München

Bülent Ceylan: Verbale Dauererektion

München - Bülent Ceylan versetzt mit seinem neuen Programm "Haardrock" die Münchner Olympiahalle in Verzückung: die Premierenkritik.

Das „Guatl“ und der „Oachkatzlschwoaf“ – dialektale Annäherungsversuche, über die man in Südbayern sonst nur mild lächelt. Bülent Ceylan wird dafür in der ausverkauften Olympiahalle mit großem Jubel belohnt. „Münschen, isch lieb’ Disch!“ – wer an diesem Ort hört so etwas nicht gern? Keine Frage, der „Monnemer Türk’“ weiß, wie Massensuggestion funktioniert, und trotzdem nimmt man ihm die „Isch-bin-gut-druff“-Euphorie, das Versprechen, alles zu geben, sofort ab. Was vor ein paar Jahren in der Lach- und Schießgesellschaft in Zimmerlautstärke funktionierte, flutscht auch als „Haardrock“-Version, mit Pyrotechnik und Knalleffekten.

Es ist weiterhin das Spiel mit den zwei Kulturen, das Ceylan hier spielt (und für das er zumindest in dieser Liga das Monopol hat), doch das Politische bleibt bis zum Schluss weitgehend draußen, viel lieber beschäftigt sich der 38-Jährige mit dem (Paarungs-)Verhalten von Mann und Frau. Eine Art verbale Dauererektion zieht sich durch den Abend. Ob als Bülent Ceylan oder in der Gestalt seiner Alter Egos von Harald bis Hasan, meistens geht’s um das eine, um Anmache und sexuelle Not, tristen Beziehungsalltag, Viagra und, nun ja, Brennen beim Wasserlassen.

Raffiniert macht sich der Comedian dabei das Publikum zum Komplizen, operiert mit eindeutigen Zweideutigkeiten, „übersetzt“ anwesenden Kindern böse Wörter, dreht jede Zuschauerreaktion zu einem Lacher um. Da dehnt und streckt sich dauernd etwas, da wachsen „Türme“, und am Ende hat sogar der Talkshowtitel „Hart aber fair“ einen Hauch von Igitt. „Seid Ihr pervers!“, konstatiert das langhaarige Sexsymbol zufrieden.

(Leider) nur selten lässt Ceylan in „Haardrock“ sein Sprachtalent jenseits der Pointen-„Quickies“ aufblitzen, seinen Sinn für die subtilere Parodie. Dafür zeigt er am Ende, wo die Reise hingehen könnte, wenn die Libido einmal nachlässt. Bülent Ceylan, der sympathische Beau, der große Bub von nebenan, der Erfinder der „Bumbewassazong“ für die große Bühne, kann auch Deutschrock, als hätte er nie etwas anderes gemacht – und er bringt die Arena noch zu einem donnernden Bekenntnis gegen Rechts und für mehr Toleranz.

So bekommt dieser Abend – vom Ende her gesehen – plötzlich Gewicht. Also doch mehr als nur ein „Guatl“.

Rudolf Ogiermann

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