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„Large Red Sphere“: Walter de Marias Granit-Skulptur im Inneren des Türkentors mit den alten Säulen und dem Gebälk.

Bürgerfest für Türkentor und die 25-Tonnen-Kugel

München - Mit einem Bürgerfest an diesem Samstag eröffnet die Stiftung Pinakothek der Moderne einen neuen „Ort der Kunst", wie Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, das Türkentor nennt.

Diesen Ort wie alle benachbarten Kunst-Gefilde möchte die Stiftung (sie zahlte 780 000 von 980 000 Euro) besser sichtbar machen, möchte die Schwellen so senken, dass jedem Menschen klar ist: „Das sind unsere Sammlungen.“ Diesen Grundsatz streicht Markus Michalke von der Stiftung zu Recht mehrfach heraus; er mahnt ebenfalls sehr zu Recht den zweiten Bauabschnitt der Pinakothek der Moderne an.

Türkentor: Klassizistische Fassade zur Türkenstraße hin; rechts das Museum Brandhorst.

Das Türkentor, einziger Rest der Türkenkaserne genannten Prinz-Arnulf-Kaserne, die zur Zeit der Alten Pinakothek entstand, wurde restauriert. Aber nicht nur das. Dieser Gebäude-Würfel, der mit seiner alten Fassade zur Türkenstraße schaut, ist nun außerdem das wunderschöne Gehäuse für eine Skulptur von Walter de Maria (1935 geboren): „Large Red Sphere“. Sie entstand 2002 und wurde von der Brandhorst-Stiftung erworben. Die Kugel mit einem Durchmesser von zwei Metern und 60 Zentimetern und einem Gewicht von 25 Tonnen besteht aus dunkelrotem feinkörnigem Granit mit kleinen grauen Einsprengseln. Sie sitzt auf einem Podest aus drei dunkelgrauen Kreis-Scheiben in der Mitte des Tor-Quadrats, flankiert von vier dorischen Säulen und bekrönt von vier alten Holzbalken, die von Nägeln übersät sind.

Dieses Alte, von den Zeitläuften Geschundene stiehlt dem Kunstwerk mit seiner unnahbaren Glätte schon ein wenig die Schau. Der berühmte US-amerikanische Künstler legt gar keinen Wert auf brachiale Selbstdarstellung. Ihm ist es wichtig, seine Werke in die Umgebung einzufügen. Das gelingt hier durch das Spiel von Kugel und Kubus sowie durch Spiegelungen auf der polierten Oberfläche. Da nehmen die Besucher sich als dunkle Schemen wahr, oder, wie am Freitag, bei Sonnenlicht eine strahlende Alte Pinakothek. Das macht die dezente, raffinierte Veränderung der Architekten Louisa Hutton und Matthias (Museum Brandhorst) möglich. So groß wie das echte Tor ist das Fenster an der neuen Rückwand; weitere Fenster sorgen für weitere Lichteffekte: Damit entsteht ein Raum des stillen, steten Sich-Wandelns.

Simone Dattenberger

Freier Eintritt,

täglich ab 10 Uhr; an diesem Samstag ab 12 Uhr ein Fest mit Schmankerln, Musik und freiem Eintritt in die dortigen Museen.

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