Büroschlafträume

- Ein mumifiziertes Büro. Schreibtische, Computer, Kaffeeautomat, Personal - alles ist gut erhalten, aber merkwürdig unbelebt oder erstarrt. Hier hängen Socken zum Lüften über dem Flachbildschirm, zieren Kosmetikspiegel die Schreibtischunterlage und überwinden Angestellte mühsam ihre Lähmung, um in Zeitlupe die Tastatur zu liebkosen oder das Telefonkabel zu dehnen. Das Provisorium als Dauerzustand ist das Thema, welches das Münchner TamS bereits in einer zweiten Produktion untersuchen lässt.

Die Autorin und Schauspielerin Judith Al Bakri hat den sehr poetischen, mit Worten und absurden Fantasien fröhlich spielenden Text zu "Stillstand - eine Hymne" selbst geschrieben. Und in gemeinsamer Regie mit Jochen Strodthoff ist ihr eine so vergnügliche wie nachdenkliche Umsetzung gelungen.

Zwei Frauen und zwei Männer scheinen mit ihren Business-Röckchen und Bundfaltenhosen wie verwachsen und in diesem brachliegenden Büro gefangen zu sein. Eine Katastrophe muss vor geraumer Zeit ihre Arbeitswelt zerstört haben. Aber die vier haben sich in den Ruinen ihres ehemaligen Alltags wohnlich eingerichtet. Tagsüber zelebrieren sie mit Wasserkocher und Instantpulver die Kaffeepause an einem Automaten, der nur noch Becher ausspucken kann. Des Abends bauen sie sich mit der Zahnbürste im Mund Schlafhöhlen aus Tischplatten, Wasserkästen und Kartons.

Und weil einzig das rituelle Kaffeetrinken den Stillstand in diesem Leben kaschiert, legen alle vier in intimeren Momenten zum Publikum gewandt ihr persönliches Koffeinbekenntnis ab, ein anderes bleibt ihnen ja nicht. Mit liebevoll-komischem Ernst spielen Al Bakri und Strodthoff sowie Andreas Herzog und Irene Rovan diese traurigen Gestalten, die aus besseren Arbeitstagen übrig geblieben, aber vergessen worden sind und nun versuchen, im tatsächlichen Büroschlaf ihre Träume wiederzufinden.

Bis 10.6., Tel. 089/ 34 58 90.

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