Burkhard Fritz singt in Salzburg die Titelpartie von Hector Berlioz` "Benvenuto Cellini"

Salzburg - Eigentlich sollte Burkhard Fritz bei den Salzburger Festspielen nur einmal den "Benvenuto Cellini" singen. Doch nach Neil Shicoffs Absage wird der 38-jährige Tenor nun gleich sechsmal in Hector Berlioz` Oper auf der Bühne des Großen Festspielhauses stehen. Premiere des selten gespielten Stücks ist morgen. Valery Gergiev dirigiert, Regie führt Philipp Stölzl. Fritz` sozusagen schonendes Salzburg-Debüt in der zweiten Reihe gerät nun zum Medienspektakel.

"Bis jetzt hatte ich noch keine Zeit, darüber nachzudenken. Aber als ich in der Premiere des ‚Eugen Onegin saß, merkte ich doch, dass Salzburg ein ganz besonderer Ort ist. Die Aufregung wächst allmählich", bekennt der "Einspringer". Doch Cellini, der römische Renaissance-Künstler, ist für den Tenor kein Unbekannter. Im Musiktheater im Revier, in Gelsenkirchen, hat er ihn vor drei Jahren erstmals gesungen. "Damals bin ich ganz naiv herangegangen, und es hat geklappt. Die hohe Tessitura liegt mir." Nachdem diese erste Naivität nunmehr verflogen ist, nähert sich Fritz der Partie, die diverse hohe Cs und sogar ein Des verlangt, heute "wesentlich technischer". Von seinem Berliner "Parsifal" aus - er ist seit drei Jahren an Barenboims Lindenoper engagiert - brauchte er zwei Wochen, um wieder in den Höhenregionen des Cellini anzukommen. "Natürlich sind die hohen Töne immer auch ein psychologisches Problem. Man muss die Angst davor ausblenden." Problematischer ist im Moment die Tatsache, dass Burkhard Fritz, der übrigens studierter Mediziner ist, nicht krank werden darf.

Denn auf die Schnelle würde man keinen Ersatz für ihn finden. "Es gibt eigentlich drei Fassungen von Berlioz' ‚Benvenuto Cellini, und daraus strickt man sich dann jeweils eine eigene zusammen. In Gelsenkirchen spielten wir eine Dialogfassung. Hier in Salzburg gibt es jetzt ungewöhnliche Striche."

Völlig hingerissen ist Fritz vom Bühnenbild. "Stölzl ist ein unglaublich visueller Mensch. Seine Bilder sind riesig, und dennoch ist er extrem ins Detail verliebt. Das Publikum wird platt sein, denn das theatralische Bühnenbild bekommt eine ganz neue Qualität, indem Stölzl digital bearbeitete Videos damit verschmilzt. Diese ganzen Effekte, die am Computer in Minuten in immer neue Lichtverhältnisse getaucht werden können, sind genau kalkuliert und durchdacht. Das passt fantastisch zu dieser Berlioz-Oper."

Denn psychologischen Tiefgang, so Fritz, sucht man im "Benvenuto Cellini" vergebens. Er hält die Personen im Stück eigentlich für schwach und widersprüchlich und ist dennoch bemüht, für Cellini einen Charakter zu finden, um einen Bogen für die Figur herstellen zu können. "Aber eigentlich muss ich nur maßlos sein", lacht der sympathische Hamburger. Und er setzt noch eins drauf: "Berlioz' Cellini hat mit Teresa, der Tochter des päpstlichen Schatzmeisters, nur eine Partnerin. Das wäre dem echten Cellini nie passiert", schmunzelt der Tenor. Natürlich will er nicht zu viel über die außergewöhnliche Inszenierung Stölzls verraten, der bei Jürgen Rose Bühnenbild-Assistent war, sich im Film umgetan hat und als Regisseur von Musikvideos für Madonna, Mick Jagger, Westernhagen oder Rammstein hervortrat. "Es gibt viele Filmzitate. Das Publikum wird manches wiedererkennen."

Noch rangiert der 37-Jährige nicht in der Starriege der Tenöre. Doch das kann sich vielleicht schon bald ändern. Dem Sänger, der neben dem Medizinstudium privat Gesangsunterricht nahm, als gern gesehener Gast in Aufführungen der Hamburger Hochschule mitwirkte und sein erstes Engagement als Spieltenor in Bremerhaven antrat, liegt nichts an einer Blitz-Karriere. An der Berliner Lindenoper wird er im kommenden Jahr den Stolzing in Wagners "Meistersingern" übernehmen, den er bereits bei Brigitte Fassbaender in Innsbruck "ausprobierte". 2009 folgt in Berlin der "Lohengrin". Den Münchnern stellt er sich bei den Opernfestspielen im Juli 2008 vor: als Bacchus in Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos".

Karten: 0043/662/80 45 500.

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