Auf den Bush geklopft

- Vergangenheitsbewältigung ist ihre Stärke. Und wenn sich zwischen der allerjüngsten und der jüngeren Geschichte auch noch Parallelen ziehen lassen, haben Hans-Günther Pölitz und Lothar Boelck leichtes Spiel. Wenn sie erzene Saddam Husseins fallen sehen, fällt ihnen sofort Ernst Thälmann ein, und auch für die Zeit nach dem Ende des Regimes (DDR, Irak) kommt das Duo von der Magdeburger Zwickmühle zum übereinstimmenden Befund: "Jeder nimmt sich, was er braucht." So (angriffs-)lustig wurde schon lange nicht mehr genörgelt in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, weshalb das Publikum auch das Motto des Abends, "Amisiert Euch" (Regie: Regina Pölitz), gern verinnerlichte.

<P>Der "Feind" steht (auch) jenseits des Atlantiks, und die wichtigsten satirischen Mittel, ihn zu bekämpfen, sind die blanke Gemeinheit, das raffinierte Wortspiel, der inszenierte Streit und, wenn's sein muss, auch der platte Kalauer. Schwarzhumorig und elegant zugleich nehmen die beiden Zwickmüller kriegerische und weniger kriegerische Amerikanisierung der Erde aufs Korn, um immer wieder Identisches zu konstatieren. Die Besiedlung der neuen Welt und die Wiedervereinigung verliefen nach dem gleichen Prinzip - "Glasperlen für die Roten".</P><P>Doch Boelck und Pölitz beschränken sich nicht darauf, auf den Bush zu klopfen, auch in der Heimat finden sie ihre hilflosen Opfer. Das "Schrödersche Paradoxon" ("Reformen ohne Veränderung") ist nur der Startschuss zu einem mit beeindruckender Präzision veranstalteten Dauerfeuer auf die Regierenden als solche - und auf die, die sie wählen. Der Politiker als Dilettant, der sich nur gut verkaufen muss - was recht abgedroschen klingt, wird so fantasievoll attackiert, dass man einfach lachen muss. "Amisiert Euch" - in des Titels anderer Bedeutung auch die zynische Aufforderung ans (Wahl-)Volk, das Chaos gut gelaunt hinzunehmen. Doch die beiden Spötter vereiteln wohlfeiles Feixen - zum Glück. Ihre Nummer vom dressierten Arbeitslosen ("geimpft gegen Grollwut") liefert die Prise Ernst, die das Programm erst richtig gut macht.<BR></P><P>Bis Samstag, um 20 Uhr, Tel.: 089/ 39 19 97<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Herr der Klänge
Trauer um Christian Burchard, Herz der Band Embryo und einer der wenigen echten Weltstars aus München, der mit 71 Jahren gestorben ist.
Der Herr der Klänge
Fire and Fury - ein amerikanisches Sittengemälde
Wird sich Michael Wolffs Bilanz des ersten Jahres der Donald-Trump-Regentschaft auch in Deutschland gut verkaufen? Und ob. Die englischprachige Originalversion ist …
Fire and Fury - ein amerikanisches Sittengemälde
„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“
Zuschauer des BR-Fernsehens kennen Vivian Perkovic von den Sendungen „Jetzt mal ehrlich“, „Puls“ und „on3-Südwild“. Seit einem Jahr ist die 39-Jährige, die etwa auch …
„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“
Dolores O’Riordan – die Frau mit der Monsterstimme
„Zombie“ war der größte Hit der Band The Cranberries. Völlig überraschend ist Sängerin Dolores O’Riordan jetzt mit 46 Jahren gestorben. Unser Nachruf: 
Dolores O’Riordan – die Frau mit der Monsterstimme

Kommentare