Bushido im Interview: „Ich bin ein guter Junge“

München - Für die Bürgerlichkeit ist Gangsta-Rapper Bushido ein Staatsfeind. Für die Jugend dagegen ein Held. Vor den Start seines Kinofilms "Zeiten ändern dich" sprachen wir mit dem Rapper.

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"Zeiten ändern dich": Die Filmkritik von Michael Schleicher

Bushidos sechs Alben wurden mit Platin und Gold ausgezeichnet, er gewann vier Mal den Echo und zwei MTV-Awards, und seine Biografie stand wochenlang auf den Bestsellerlisten. Bushido schaffte es von den Straßen Berlins zum vielfachen Millionär. Und jetzt bringt ihn Bernd Eichinger ins Kino – als Hauptdarsteller in „Zeiten ändern dich“. Bushido spielt sich selbst und erzählt seine Geschichte vom Ghettokid, in dessen Hirn ein Bild Amok läuft: wie der Vater die Mutter schlägt, und wie er die Gewalt mit Gewalt zu tilgen sucht.

Am Mittwochabend feierte der Film in Berlin große Premiere. Mit dabei: Bushidos ganze Familie, die Freunde, der Clan. Kurz zuvor gab er Kolumnistin Ulrike Schmidt noch ein Interview. Sie hatten sich zuvor schon auf dem Deutschen Filmball in München getroffen.

Bushido oder Herr Ferchichi – wie wollen Sie am liebsten angesprochen werden?

Ich würde es begrüßen, wenn wir uns duzen, außer Sie bevorzugen das Sie. Sie können mich Bushido nennen – das hat sich so eingebürgert, selbst meine Mutter nennt mich so.

Okay. Dann sag mir, wer ist Bushido, und wer ist Anis Mohamed Ferchichi? Ist der eine eine Rolle und der andere – bist das du? Und wer bist du?

Das hört sich ein bisschen schizophren an, wenn ich mein zweites Ich erklären soll. Im Endeffekt ist es so: Wenn du Musik machst, musst du dir einen Künstlernamen zulegen, wie Schauspieler das auch tun. Ich wollte rappen, und dafür musste der Name cool sein. Bushido war cool. Anfangs haben mich die Kollegen ausgelacht, doch heute ist der Name wichtiger als der, den mir meine Eltern gegeben haben. Ich habe etwas daraus gemacht – eine Marke. Wie Coca- Cola. Das hat zu Anfang ja auch keiner gekannt, und jetzt ist es die größte Marke überhaupt. 

Bushido bedeutet „Weg des Kriegers“ – das impliziert Gewalt. Du bist damit auch aufgefallen. Ist das dein Weg?

Es stimmt, bei dem Namen denkt man an Waffen, an Schlachten. Doch geht es beim „Weg des Kriegers“ ja nicht darum, jemanden zu verletzen, außer Gefecht zu setzen. Es geht um die Eigenschaften – um Loyalität, Ehre, Einfühlungsvermögen. Und das sind alles Sachen, die eigentlich in starkem Kontrast zu Gewalt stehen. Der Weg des Kriegers – das ist kämpfen zu lernen, auf einer ganz anderen Ebene.

Heißt das, du hast der Gewalt abgeschworen, und die Zeiten haben dich geändert?

Ich bin kein anderer geworden, auch meine Ansichten haben sich nicht geändert, und ich werde immer wieder Dinge machen, die den ein oder anderen vor den Kopf stoßen. Es gibt eben Situationen im Leben, da musst du negativ sein – und da stehe ich dazu.

Zum Beispiel? Für wen oder was würdest du gewalttätig werden?

Gewalttätig – das ist ein ganz großes Wort. Es ist ja nicht so, dass ich auf die Straße gehe und jemanden niederschlage. Aber wenn ich mit meinen Leuten unterwegs bin, und da gibt es eine größere Schlägerei, da kann ich ja auch nicht danebenstehen und sagen: „Nee du, ganz ehrlich, das ist nicht mein Ding.“ Man kann nicht nur Freund in guten Zeiten sein. Und wenn deine Mutter oder deine Familie beleidigt wird oder deine Freundin begrapscht – das sind Situationen, da kann ich nicht zusehen.

Insofern also haben dich die Zeiten nicht geändert. Wie sieht’s mit Drogen aus?

Den Drogen habe ich abgeschworen, Alkohol habe ich nie getrunken, und zu rauchen habe ich aufgehört. Meine einzigen Laster sind Kartenspielen und die Wasserpfeife, wobei ich nie Glücksspiele betrieben habe, wir schreiben die Punkte auf Papier.

Hört sich brav an. Der Film zeigt eine Szene, wo du dir von deiner Mutter für den Aufbau eines Drogenhandels Geld leihst. Wo fängt denn bei dir die Moral an? Siehst du dich als guter oder böser Junge?

Für meine Mutter war ich immer ein guter Junge, aber auch gute Jungs machen Fehler. Ganz tief in meinem Herzen bin ich immer ein guter Junge gewesen.

Das hast du aber ganz gut verstecken können...

Nein, das liegt nur daran, dass mir die Leute inzwischen auch mal zuhören. Du hörst mir jetzt zu, und deshalb bist du ein gutes Mädchen.

Du hast also deine eigene Moral, deinen eigenen Ehrenkodex und deine eigenen Gesetze...

Hast du nicht auch schon mal betrogen...?

Nein.

Aber doch schon mal gelogen.

Klar.

Und deshalb sollst du jetzt plötzlich kein guter Mensch mehr sein?

Na ja, aber Drogen dealen und Leute verprügeln ist doch noch mal was anderes...

Eigentlich heißt er Anis Ferchichi – doch Bushido bevorzugt seinen Künstlernamen.

Das habe ich auch kapiert. Ich war drei Wochen in Untersuchungshaft in Österreich wegen Körperverletzung – natürlich weiß ich, dass das falsch war. Nur in der Situation, in der ich da war, und damals, als ich Drogen verkauft habe, da habe ich keinen anderen Ausweg gesehen. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich es anders gemacht. Doch es stimmt: Ich habe eigene Moralvorstellungen in meiner eigenen Welt. Polizisten und die ganzen Kritiker lassen mich kalt.

Deine eigene Welt besteht aus vielen Freunden, von denen du selbst schon als La Famiglia gesprochen hast – quasi einer Art Mafia.

Ja, die Familie und die Freunde sind die Grundlage dafür, dass ich meine eigene Moral haben kann, dass wir unseren eigenen Kodex haben. Aber ich würde nicht wirklich vom Mafia-Prinzip sprechen oder vom Gangsta – diese Begriffe verwende ich nur, um einfach schnell etwas zu erklären: Jeder kann damit nämlich etwas anfangen, wie Loyalität bis zum Tod. -

Es heißt, du seist seit zwei Jahren mit einer Freundin liiert...

Das kann ich jetzt weder bejahen noch verneinen. Die Sache ist, dass eine Freundin im Endeffekt keine Auswirkung auf Bushidos Musik oder den Film hat. Aber wenn man natürlich im Leben einen Menschen trifft, der einen liebt, verändert dich das. Genauso wie mich meine Mutter liebt. Dafür mache ich auch viele Dummheiten.

Inzwischen bist du ja gern spießig – lebst in deiner 600-Quadratmeter- Villa in der Bürgerlichkeit, schneidest deine Hecke, brutzelst Frikadellen und hörst Depeche Mode...

Egal wieviel Quadratmeter du hast, man geht immer gern nach Hause und findet gern ein schönes, weiches Bett vor. Für mich ist es ein Herzenswunsch, ein Zuhause zu haben, mit Hunden, Garten, Hecken und im Sommer draußen auf einer Liege zu entspannen – eben die ganzen gutbürgerlichen, spießigen Dinge. Wenn man ein extremes Leben führt, suchst du eben das, was du nicht hattest.

Dazu braucht man auch Geld – wie wichtig ist es für dich?

Es ist für alle wichtig – schließlich kriegst du nix geschenkt. So ’ne Million kann heutzutage jeder machen, wenn er ein bisschen schlau ist. Geld ist für mich ein wichtiger Antrieb. Ich kann nicht genug davon haben! 

Von was träumst du?

Letztens habe ich von Sex mit Megan Fox geträumt.

Dann träum’ mal schön weiter. Aber was macht die CSU-Hymne, die du schreiben solltest?

Ich habe schon einige Skizzen gemacht. Ich nehm’ das nicht auf die leichte Schulter – eine CSU-Hymne zu schreiben, ist wie einen Film zu machen. Aber ich muss die Leute nochmal treffen, um zu erfahren, was eine CSU-Hymne so beinhalten soll.

Interview: Ulrike Schmidt

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