Butterball mit Hut

- Ein Butterball, am liebsten mit Hut: Bally Prell brachte bei nur 1,58 Meter Körpergröße kugelrunde 91 Kilogramm auf die Waage beziehungsweise auf die Bühne. Aber dort, in Frack und Zylinder auf ihre Art attraktiv, war sie eine der beliebtesten Münchner Vortragskünstlerinnen der Nachkriegszeit.

Wenn die Hiesigen wirklich so stolz sind auf ihre Stadt, wie behauptet, sollte das Teamtheater Comedy gerammelt voll sein bei der "Hommage an Bally Prell", mit der Kabarettistin Gabi Lodermeier die legendäre Volkssängerin jetzt mit viel Kenntnis, Witz und Charme in Erinnerung ruft.

"Des is mei Bally", taufte Bruder Ferdinand das 1922 als Agnes Pauline geborene Wonnepaket spontan liebevoll um. Der musikalisch Hochtalentierte starb mit 21 Jahren. Und wahrscheinlich ist, dass Bally, wie um diesen, besonders für den Vater schmerzlichen Verlust zu kompensieren, das Männliche in sich kultivierte. Schon als sechsjähriger Lederhosen-Knirps mit raumfüllender Stimme gewinnt sie im Sturm das Publikum.

1953 hat sie im Platzl ihren Durchbruch, tourt bis in die USA und nach Australien. Ballys ganze Vita lässt Gabi Lodermeier lebendig werden, eine stets eng familiengebundene Vita: Denn was die 2,20-m-Taillenfrau vorträgt, sind Gstanzln, Gedichte und Lieder Ludwig Prells, des von ihr grenzenlos bewunderten "Vatls". Und wenn auch die Verlage ob der Schlüpfrigkeit ablehnten, so ist das Prell-"uvre" dank Mutter Paulines Notenschrift feinst gestochen erhalten und kommt nun dank Lodermeiers Wühlarbeit im Monacensia-Archiv und lang gehegter Sangeslust zu bairisch zungenschnellem Wort und fein trainiertem Klang.

Unterstützt von Staatsopern-Geigerin Daniela Huber, hier am Klavier, singt sich die Lodermeier blendend an den "Tenor" Bally heran. Eine Liebeserklärung an die "Schönheitskönigin von Schneitzelreuth", als die sich Bally mit ihrem Markensong selbst stilisierte, und an das "Isarmärchen" München.

Noch am 30./31. 3. und 1. 4., Tel. 089/ 260 66 36

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline

Kommentare