„Ich würd’ nie zum FC Bayern geh’n“: Campino demonstriert, wem seine wahre Liebe gilt.
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„Ich würd’ nie zum FC Bayern geh’n“: Campino demonstriert, wem seine wahre Liebe gilt.

Sommerbühne

Songs für die Südkurve: Campino von den Toten Hosen liest und singt im Olystadion

  • Kathrin Brack
    VonKathrin Brack
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Eigentlich kann es keinen besseren Ort für ihn geben: Campino war am Dienstag zu Gast im Olypiastadion. Mit ihm Gepäck: sein Buch und Songs für die Südkurve. Die Konzertkritik.

Campino schwant Schlimmes. Als er und Bandkollege Kuddel zur Zugabe den „Eisgekühlten Bommerlunder“ auspacken, wittert er schon die Schlagzeile: „Am Ende war es doch ein Sauf-Fiasko.“ Aber nicht doch! Wobei: Alkohol spielt schon eine Rolle in einigen Episoden seines Buchs „Hope Street. Wie ich einmal englischer Meister wurde“ (Piper-Verlag), mit dem er Pandemie-bedingt erst jetzt in München Station machen konnte.

Statt wie ursprünglich geplant bei den Kammerspielen auf der Sommerbühne im Olympiastadion. „Passt eigentlich sogar noch besser“, befindet der Sänger der Toten Hosen sichtlich zufrieden.

Wer hätte gedacht, dass es gerade ihn einmal in die Südkurve des einstigen Heimstadions des FC Bayern verschlagen würde – dem er seine tiefe Abneigung in dem gleichnamigen Lied 1999 durchaus erfolgreich entgegenschmetterte? Der Heiligkeit dieses Ortes seien sie sich trotzdem bewusst. Das Lied sei selbstverständlich nicht mehr als eine Jugendsünde, sagt Campino bei der Begrüßung des als Lesung/Gespräch/Konzert angekündigten Abends.

Der beginnt mit einer Erinnerung an den gerade gestorbenen Über-Fußballer Gerd Müller, der Campino die Zeile „Ich würde nie zum FC Bayern München geh’n“ dem Vernehmen nach nicht so übel nahm wie andere Vereinsgrößen. Und bleibt mit klassischen, zumeist akustisch vorgetragenen Stadion-Hymnen, Anekdoten und ausgewählten Kapiteln aus seinem Bestseller stets beim Thema: Fußball.

Dafür hat der Halb-Engländer, der mit bürgerlichem Namen Andreas Frege heißt, die ansonsten vergleichsweise karg ausgestattete Bühne mit Flaggen der Three Lions und des FC Liverpool geschmückt. Er trägt am Tisch im Schein einer kleinen Lampe Passagen über ironisch gemeinte fliegende Glückwünsche, tückische Technik und Auswärtsspiele in Italien vor. Vor allem aber gewährt er charmant und unterhaltsam Einblick in seine Kindheit, die Familie, die Band.

Die Besucher erleben den Fußball-Fan Campino, der den FC Liverpool und Fortuna Düsseldorf liebt, als versierten Erzähler. Für den die Fan-Gesänge fünfzig Prozent des Stadion-Erlebnisses ausmachen, der in Katar bei Regen in den Pool will und sich in Neapel mit einem „Forza Napoli!“ retten kann. Begleitet wird er von seinem Freund und Gitarristen, Andreas „Kuddel“ von Holst, mit dem er neben thematisch passenden Songs wie „Long Way from Liverpool“ und dem ewigen „You’ll never walk alone“ auch ein paar Tote-Hosen-Songs vorträgt. Das ist in sich so stimmig und atmosphärisch, dass man es nie und nimmer ein Sauf-Fiasko nennen könnte.

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