Capri-Eis

- Da stellt man sich doch wirklich die Frage, wer wird denn in ein Kunstlexikon aufgenommen, warum und mit welchen Informationen? Wenn von so einer "Bibel" nur noch fein säuberlich ausgeschnittene Namen übrigbleiben, ist der Gehalt des Eintrags dem Betrachter überlassen - so es denn überhaupt noch Sinn und Wertschätzung gibt.

Oliver Westerbarky hat die Institution Kunst seziert: Damit stellt er eigentlich sich und seine zwei Kollegen in Frage, die vom Berufsverband Bildender Künstler als Debütanten ausgewählt wurden und jetzt in der Münchner Galerie der Künstler ausstellen. Leerstellen, Unterschlagung von Information, Veränderung des Kontextes sind bei allen zerschnittenen Büchern die Annäherungsweise von Westerbarkey.

Damit offenbart er die Angriffsflächen unserer Informationsgesellschaft. Alles, was zum Bildungsrepertoire gehört, wird gleichzeitig nichtig. Ein ähnliches Spielen mit Überlieferung, Wahrnehmung und Erwartung betreibt Alexander Laner. Er lässt einen Porzellanteller abspielen, statt edler Musik kommt bei seiner spartanischen Anlage eine jämmerliches, aber immerhin ein Kreischen heraus. Einprägsamstes Beispiel aber für die Absurditäten menschlichen Tuns sind die Tontauben.

Einem Massaker gleichen die Schmutzspuren an der Wand, am Boden die geborstenen Tonscheiben. Das Aggressionspotenzial und die Sinnlosigkeit wird mehr als offensichtlich. Robert Barta stellt mit seinem Siegerpodest herkömmliche Werte auf den Kopf und versenkt die Nummer eins.

Auch bei seiner Zeitmaschine wird die große Erfindung der Menschheit, die schnelle Fortbewegung mittels Technik, ad absurdum geführt. Eine kleine E-Lok fährt, in starker Anlehnung an Sisyphos, ständig gegen ein Zeitrad an. Und schließlich ist da im Video noch der Eisschlecker, der das "Capri" aus dem Autofenster hält und abtauen lässt, nur um es hernach wieder neu zu schaffen. Das Wissen über Nutzen und Regeln über sinnvolles Tun, alles ist fraglich. So fraglich wie eben auch künstlerisches Schaffen.

Bis 13. Oktober, Telefon: 089/ 22 04 63.

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