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Carla Bruni, Frankreichs ehemalige Première Dame.

Mysteriöse Madame

Nett, fröhlich, unnahbar: Bruni in der Philharmonie

München - Für ein Chansonliebhaber ein Erlebnis: Carla Bruni in der Münchner Philharmonie. Hier lesen Sie, wie Première Dame sich in der ausverkauften Münchner Philharmonie präsentierte.

Und Frankreich hat es eben doch besser. Niemand mag wissen, was Bettina Wulff über Joachim Gauck denkt. Doch wenn Carla Bruni, die ehemalige Première Dame, ein reizend gehässiges Chanson über Präsident François Hollande singt, den tollpatschigen „Pinguin“ und Nachfolger ihres Gatten Nicolas Sarkozy, dann hängt man ihr an den Lippen – und das mit größtem Vergnügen. Denn die Bruni, Ex-Model und manches mehr, bewies in der ausverkauften Münchner Philharmonie, was für eine überaus talentierte Sängerin und Songschreiberin sie ist. Vom Élysée in den Gasteig, für Chansonliebhaber ein tolles Erlebnis.

Am meisten war man ja gespannt: Wie ist sie denn so – die Frau, die sich damals Monsieur le Président geangelt hat? Antwort: nett, fröhlich, aber auch ein wenig unnahbar. Zu Beginn sieht man sie nur als Schatten hinter einem Fransenvorhang, hört sie „Déranger les pierres“ singen. Dann kommt Carla Bruni auf die Bühne, schwarze Lederhose, weinrotes Samtsakko, die Haare auch noch mit 46 mädchenhaft lang. Fast überschwänglich bedankt sie sich für „die Ehre, in diesem wundervollen Saal singen zu dürfen“.

Und sie singt wundervoll, rauchig, zart, leise. Es lohnt sich, die Ohren zu spitzen. Beim hinreißenden „Le plus beau du quartier“ greift sie zur Gitarre, „Ma douce France“, singt sie in ihrer Muttersprache Italienisch. Man hört sie, sieht sie – und bleibt doch entfernt von Carla Bruni. Vielleicht liegt es daran, dass ihr Gesicht nicht in Großaufnahme auf der Leinwand zu sehen ist, vielleicht auch an den arg formelhaften Ansagen („La prochaine chanson, the next song...“).

Einmal öffnet sie sich, als sie störrisch beharrt: „Ich werde nie eine Dame sein. Nicht einmal, wenn ich tot bin.“ Da spürt man sie, da hat man das Gefühl: Wow, so hat sie also Mick Jagger rumgekriegt! Ansonsten bleibt Carla Bruni sehr wohl eine Madame. Doch, um ehrlich zu sein: Das Mysteriöse, Entrückte – es steht ihr prächtig.

Jörg Heinrich

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