Carmen, Mamma und die Macht des Schicksals

- Wer jetzt schon Theater-Entzugserscheinungen hat, wem die grassierende musikalische Festivalitis immer noch nicht zu viel ist, wer ein nimmersatter Neugieriger auf kommende Opern-Entdeckungen ist, der kann durch die folgende Vorschau auf die Saison 2004/05 getröstet werden. Nicht nur München - da will zum Beispiel Doris Dörrie "Rigoletto" fürs Nationaltheater bändigen und fürs Gärtnerplatztheater gleich noch "Madame Butterfly trösten -, sondern auch viele Bühnen in ganz Bayern bieten Spannendes; ganz abgesehen von den Lockungen in die Fernen von Berlin bis Zürich.

<P>In Augsburg macht im September Giuseppe Verdis "Macbeth" den Auftakt. Mit Max Brands "Maschinist Hopkins" (5. 3. 2005) verlässt man die ausgetretenen Opernpfade, um mit Frederick Loewes "My Fair Lady" (ab April) bestens zu unterhalten. Das Coburger Landestheater startet hingegen skurril mit Jacques Offenbachs Werk "Hoffmanns Erzählungen" (25.9.). Der in München durch das "orpheus ensemble" bekannte Regisseur Aron Stiehl inszeniert dort übrigens Albert Lortzings "Zar und Zimmermann" (23.4.). Mütterlich ist man hier mit Gaetano Donizettis "Viva la mamma" (11.6.) genauso wie in Fürth, wo die Oper am 15. Oktober Premiere hat. In Hof setzt man auf Populäres wie George Bizets "Carmen" (24.9.) oder Galt MacDermonts "Hair" (23.10.), präsentiert aber auch Ungewohntes wie Michael Nymans Werk "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" (21.1.) oder Siegfried Matthus' Vertonung von Endes "Unendlicher Geschichte" (27.5.)<BR><BR>Das Südostbayerische Städtetheater Landshut/Passau geht beschwingt die neue Spielzeit an - mit Franz Lehá´rs "Land des Lächelns". Verdi und Donizetti sind auch hier beliebt, mit "Don Carlos" (November) und Lucia di Lammermoor (Februar/März). Als engagiert erweist sich der Versuch, Ruth Zechlins "Elissa" (9.4. Passau) anzubieten, das der auch München-erprobte Intendant Stefan Tilch genauso inszeniert wie Henry Purcells "Dido und Aeneas" (15.4. Landshut). Neben der Italien-Fraktion Verdi ("Die Macht des Schicksals", 17.10.), Puccini ("Madame Butterfly", 22.1.) und Donizetti ("Lucia", 2.7.) erweist das Staatstheater Nürnberg auch Christoph Willibald Gluck seine Reverenz mit "Merlins Insel oder Die verkehrte Welt (11.2., eine Kooperation mit Erlangen und der Musikhochschule Nürnberg-Augsburg) sowie mit "Iphigenie in Aulis" (5.3.). Moderner wird's mit Francis Poulencs "Die Dialoge der Karmeliterinnen" (16.4.). <BR><BR>Ein sehr breit gefächertes Programm hat sich das Theater Regensburg vorgenommen. Von Ludwig van Beethovens "Fidelio" (24.9.) über Johann Strauß' "Eine Nacht in Venedig" (23.10.) und Arrigo Boitos "Mefistofele" (20.3.) spannt sich der Bogen bis zu der Uraufführung von Thomas Bartels "Der Patient" (16.4.) und Grigori Frids "Das Tagebuch der Anne Frank" (13.5.). Die Mischung macht's auch beim Mainfranken Theater in Würzburg. Verdis "Rigoletto" (25.9.) gibt es da oder Webbers "Jesus Christ Superstar" (16.4.), aber auch Richard Wagners "Feen" (12.2.), die Christian Pöppelreiter inszeniert. Und sogar Manfred Trojahns "Limonen aus Sizilien" (26.3.) sind zu pflücken, aufbereitet vom Komponisten selbst.<BR><BR>Natürlich lohnen sich auch kürzere oder weitere Ausflüge in musikalische Überraschungs-Gefilde. Zum Beispiel reizen zwei ehemalige Götter der Opernbühnen mit eigenen Regiearbeiten zum Besuch. Brigitte Fassbaender, die das Tiroler Landestheater Innsbruck leitet, gestaltet Richard Strauss' "Frau ohne Schatten" (26.9.) und Benjamin Brittens Werk "Peter Grimes" (29.1.). In Halle wagt sich hingegen René´ Kollo an Wagners Liebestragödie "Tristan und Isolde" (30.10.). In beiden Häusern inszeniert übrigens auch der Münchner Regisseur Peer Boysen: einmal Mozarts "Le nozze di Figaro" (8.5.), zum anderen Händels "Rodelinda" (3.6.).<BR><BR>Natürlich ist auch ein Blick auf die ganz großen, weltweit favorisierten Opernhäuser erlaubt. In Basel  inszeniert die bemerkenswerte Schauspielregisseurin Barbara Frey (am Resi: "Phädra") Strauß' "Fledermaus" (3.10.). Sprechtheaterleute sind auch in Berlin opern-narrisch. So machen im Haus Unter den Linden Martin Kusej Bizets "Carmen" (4.12.) und Michael Thalheimer Leos Janá´ceks "Katja Kabanowa" (22.1.). Volles Risiko gehen die Intendanten ein mit den Filmleuten Bernd Eichinger, der sich an Wagners "Parsifal" (19.3.) wagt, und Volker Schlöndorff, der an der Deutschen Oper Janá´ceks Werk "Aus einem Totenhaus" inszeniert. Das legendäre Theater Royal de La Monnaie in Brüssel kann mit imposanten Könnern protzen. Luc Bondy interpretiert Philippe Boesmans' "Julie" (8.3.), und der Theatermacher und bildende Künstler William Kentridge gestaltet Mozarts "Zauberflöte" (26.4.). Peter Konwitschny bleibt Hamburg verbunden: mit Arnold Schönbergs "Moses und Aron" (14.11.) und Mozarts "La clemenza di Tito" (8.5.). Spannend in Stuttgart  ist Jossi Wielers Unternehmen "Doktor Faust" von Ferruccio Busoni. Konwitschny auch in Wien. Dort bringt er Verdis "Don Carlos" im Oktober an der Staatsoper heraus, während der Münchner Dominik Wilgenbus an der Volksoper Emmerich Ká´lmá´ns "Herzogin von Chicago" (11.12.) vorstellt. Zwei populäre Schauspieler hat sich das Opernhaus Zürich  eingeladen. Helmut Lohner präsentiert Richard Heubergers "Opernball (3.9.) und Sven-Eric Bechtolf Claude Debussys "Pelléas et Mé´lisande" (14.11.)</P><P>Alle Infos komplett in: "Die deutsche Bühne"; sechs Euro.<BR></P>

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