Mit "Carmina burana" in aller Welt

- "Mein väterlicher Freund Carl Orff hat es mir immer prophezeit: Du wirst noch viel Orff dirigieren und viel Geld damit verdienen", amüsiert sich Walter Haupt. Seit zehn Jahren tourt der gebürtige Münchner mit Orffs "Carmina burana" rund um den Erdball. Auch heute, an seinem 70. Geburtstag, ist Haupt mit Orff unterwegs. "Ich werde vermutlich acht Stunden dirigieren", lacht der aktive Unruheständler, der vor wenigen Tagen nach Kanada und in die USA aufbrach.

<P class=MsoNormal>Mit seiner spektakulären, multimedialen "Carmina"-Inszenierung, die er vor zehn Jahren erstmals auf dem Münchner Königsplatz verwirklichte, erobert der Musiker jetzt die Neue Welt: Washington, Chicago, Toronto und Montreal. Erst im Herbst präsentierte er Orffs Opern-Hit in Mexico City, Paris, Budapest, Barcelona, Madrid, Lissabon, Zagreb, Belgrad und Kopenhagen. Auch in Rio und Sao Paolo mobilisierte er Heerscharen von Zuschauern. Noch heute staunt er, dass die Armee in Moskau Raketen in die Luft jagte, um Regen und Schnee vom Open-Air-Ereignis abzuwenden.</P><P class=MsoNormal>"Es ist ein großes Abenteuer", schwärmt der Dirigent und Regisseur über seine weltweiten Tourneen. Denn in jedem Land, in jeder Stadt warten andere Orchester und Chöre auf ihn und seine solistische Stamm-Truppe aus Sängern und Tänzern. Meist erweisen sich vorherige Bedenken als überflüssig: "Die Chöre und Orchester in Brasilien zum Beispiel kriegten den Orff erstaunlich gut hin", erinnert sich Haupt, der den Chorleitern vorab seine CD schickt - "zum Einhören".</P><P class=MsoNormal>Die späte Dirigentenkarriere hält den Musiker offensichtlich fit. "Ich habe eine gute Kondition. Außerdem hilft der Masseur und unter Rosis Betreuung (seine Frau managt alles) geht es ganz gut." "Beim Dirigieren gibt es keine Demokratie", schmunzelt Haupt und verrät, wie seine Frau ihn ermuntert: "Jetzt wird's wieder Zeit, dass Du dirigierst, damit Du Dich abreagieren kannst." Nicht nur Dirigieren und Schlagzeug spielen hat Walter Haupt an der Münchner Musikhochschule studiert, sondern vor allem Komponieren. "Das kommt momentan viel zu kurz", resümiert er. "Aber ich sammle schon wieder und habe Pläne für eine Oper."</P><P class=MsoNormal>Sein "Marat" und "Pier Paolo Pasolini" waren an etlichen Bühnen zu sehen. Darüber hinaus machten ihn seine 18 Ballette und vor allem die Aufsehen erregenden "Klangwolken" über der Münchner Innenstadt, beim Brucknerfest in Linz, in Köln und am Bodensee international bekannt. Sie lockten zigtausende Zuschauer an.</P><P class=MsoNormal>16 Jahre lang leitete Haupt die von ihm gegründete Experimentierbühne an der Bayerischen Staatsoper. Als Schlagzeuger gehörte er gar 37 Jahre, also bis 1997, zum Bayerischen Staatsorchester. Obwohl er wegen vielfältiger Aktivitäten große (Dienst-)Freiheiten genoss - "Ich hatte manchmal ein richtig schlechtes Gewissen" - wollte die Oper Haupt nicht in die freie Wildbahn entlassen. "Ich kaufte mich schließlich mit meinem ,Requiem für die Opfer von Krieg und Zerstörung frei. Sir Peter Jonas hatte mir vor der Uraufführung 1997 versprochen, mir einen Wunsch zu erfüllen: Ich ging in ,Pension." Ein Ruhestand ist das nicht, was den Künstler, der sich gerade in Aschheim ein neues Haus nach eigenen Entwürfen bauen ließ, umtreibt. "Ich brauche offenbar die Wechselbäder." </P><P class=MsoNormal>Feiert 70. Geburtstag mit achtstündigem Dirigieren: Walter Haupt. Foto: Rabanus</P>

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