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Thielemann, kurz nachdem er 2004 Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker wurde.

Causa Thielemann: Im Geiste ein Dorf geblieben

München - Christian Thielemann würde gern fünf weitere Jahre bei den Münchner Philharmonikern bleiben. Doch die Situation ist verfahren.

Wenigstens gibt es zwischen Generalmusikdirektor und Orchester keinen Dissens. Die Causa Christian Thielemann wird dafür immer mehr zu einer Causa Stadt München. In einem Brief an ihren Chef haben die Münchner Philharmoniker nun versichert, wie gern sie die Zusammenarbeit fortsetzen wollen. Gleichzeitig aber finden sich darin Passagen, die offenbar auf Betreiben der Stadt beziehungsweise des Kulturreferats hineinredigiert wurden. Thielemanns Idee, Streitfragen zum Beispiel um das Engagement von Gastdirigenten direkt mit dem Orchester (und am Intendanten vorbei) zu regeln, wird als rechtlich nicht durchführbar bezeichnet. Zudem, so ist zu lesen, wünsche sich das Orchester einen starken GMD und einen starken Intendanten.

Die Situation scheint verfahren. Auf der einen Seite ein Chefdirigent, der auf sein Letztentscheidungsrecht in künstlerischen Fragen pocht, das ihm im Verlängerungsvertrag verwehrt werden soll. Auf der anderen Seite ein finanzieller Träger, der die Haltung des Dirigenten nicht akzeptiert, weil er gerade mit Paul Müller einen Intendanten installiert hat und diesen nicht kaltstellen möchte.

Alles verloren? Das ist genau der Punkt: Im Gegensatz zu schweren Zerwürfnissen à la Karajan und Berliner Philharmoniker oder auch (vorübergehend) Celibidache und Münchner Philharmoniker ist die augenblickliche Krise um Kompetenzen und Eitelkeiten lösbar. Vorausgesetzt, beide Seiten suchen das Gespräch und akzeptieren, dass Positionen auch mal verlassen werden können. Was allerdings fatal ist: Im Rathaus werden genervte Stimmen lauter, die schon mit einem Ende der Ära Thielemann rechnen. Mit einem gefügigen und vor allem preiswerteren Chefdirigenten, so träumt manch kulturferner Entscheidungsträger, ließe es sich doch viel besser zusammenarbeiten.

Welche Konsequenzen ein Abgang Thielemanns hätte, wird dabei ignoriert. Als sicher gilt, dass medienwirksame Tourneen etwa nach Japan oder die Baden-Badener Opern-Gastspiele inklusive DVD-Produktionen platzen würden. Denn nicht die Philharmoniker allein wurden dafür engagiert, sondern immer und vor allem wegen ihres Chefs. Schon möglich, dass mit einem „jungen Dirigenten“, wie man es sich immer wieder diffus wünscht, vieles reibungsloser laufen könnte. International würden die Philharmoniker allerdings endgültig in die zweite Reihe abrutschen. Dass der Star nach Dresden abwandert, wo 2012 an der Semperoper die Chefposition frei wird, ist wohl aus dem Spiel.

In Christian Thielemanns Umfeld wird seit Wochen geargwöhnt, entscheidende Stellen in der Stadt München wollten den vom Publikum so geliebten Star loswerden. Die neuen Vertragsbestimmungen über die Entscheidungskompetenz sprächen dafür. Auch die Gleichgültigkeit, mit der man ihn ziehen lassen würde – ohne die gravierenden Folgen zu bedenken. Eine Weltstadt mit Herz scheint da im Geiste eben doch ein Dorf geblieben.

Von Markus Thiel

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