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Nikolaus Harnoncourt starb am 5. März 2016 in seinem Heimatort St. Georgen im Attergau.

CD-Kritik

Missa Solemnis: Harnoncourts Vermächtnis auf CD

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Das letzte Werk, das Nikolaus Harnoncourt dirigierte: Beethovens Missa Solemnis auf CD erschienen

Als er im Juli 2015 mit Krücken die Bühne des Grazer Stefaniensaals betrat, sehr schmal geworden, da ahnte man viel, aber wollte man es sich auch eingestehen? Ludwig van Beethovens Opus summum, die Missa Solemnis, war das letzte Werk, das Nikolaus Harnoncourt dirigierte. Der ORF übertrug damals, der Mitschnitt kommt nun als CD auf den Markt – Harnoncourt, der am 5. März im Alter von 86 Jahren starb, wollte es so. Auch weil er die Deutung dieses Werks, das doch für so viele Kollegen ein Rätsel bleibt, als Vermächtnis begriff.

Wo andere die Missa Solemnis in den Überwältigungstaumel treiben oder sie als Gottesdienst zelebrieren, ist Harnoncourt wohl der Einzige, der sich die Welt dieser Partitur erschlossen hat. Nicht nur mit aufführungstechnischen Fragen hat das zu tun, mit den für Harnoncourt so typischen Phrasierungen, Widerborsten und Detailmodellierungen, die das Spiel des Concentus Musicus zum Atmen bringen. Es hat noch mehr zu tun mit seiner Spiritualität, mit dem Nachdenken über letzte Dinge – und damit, dies alles auf vollkommen (selbst-)verständliche Weise in die Interpretation einfließen zu lassen.

Dass sich Harnoncourt für dieses Werk Zeit lässt, kennt man von früheren Aufführungen. Auch dass er die Musik (trotz allem Furor in Gloria und Credo) nicht überhitzt, der großartige Arnold-Schönberg-Chor und das inhomogene Solisten-Quartett (Bernarda Fink singt in einer eigenen Liga) dürften es ihm gedankt haben. Ab dem Sanctus jedoch erreicht diese Deutung eine neue Dimension, am erschütterndsten im Agnus Dei. Beethovens Erfahrungen mit dem nahen Krieg, seine zaghafte, von Zweifel beschattete Hoffnung, sein Hadern und Wüten erfährt man als etwas Allgemeingültiges. Schwer lassen sich diese Momente in Worte fassen. Aber dank Harnoncourt begreift man.

Ludwig van Beethoven: Missa Solemnis. Arnold-Schönberg-Chor, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt (Sony).

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