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Mit der Zeitmaschine von den Dreißigerjahren ins Jetzt: Pop-Diva Lana Del Rey singt im Cinemascope-Format

CD-Kritik: „Born To Die“ - zum Sterben schön

München - „Born To Die“ heißt das erste Album von Lana Del Rey und bietet pompösen Retro-Pop. Die CD ist schwer wie süßes Parfüm und zum Sterben schön. Mit einigen Hits hätte sie wohl auch bei James Bond Chancen.

Zuerst bestand das Pop-Wunder nur aus einem Song. Der hieß „Video Games“, eine aus der Zeit gefallene, hinreißende Sehnsuchtsballade mit Glocken, Harfe, Geigen – und vor allem mit Stimme. Eine Stimme, dunkel, verraucht, mysteriös. Damit machte Lana Del Rey die Musikwelt zum ersten Mal verrückt. Mit ihrem Look schaffte sie es ein zweites Mal – denn Lana Del Rey sieht so aus, wie sie heißt. Eine Hollywood-Diva der Dreißigerjahre, von einer Zeitmaschine irrtümlich ins 21. Jahrhundert geschleudert. Nun folgt des Pop-Wunders dritter Teil: Lana Del Reys erstes Album „Born To Die“ ist da. Und die schwelgerische Cinemascope-Musik der erst 25-Jährigen funktioniert auch auf Album-Länge. „Born To Die“, zum Sterben schön.

Zu hören ist pompöser Retro-Pop, schwer wie süßes Parfüm, mehr Nancy Sinatra als Lady Gaga. Unter den 15 Stücken finden sich jede Menge potenzielle James-Bond-Titelsongs (natürlich nur für Sean Connery oder allenfalls Roger Moore). Und mindestens eine Handvoll potenzieller Nummer-1-Hits, allen voran der Titelsong „Born To Die“, der das „Video Games“-Drama mit modernen Beats vermischt, das laszive „Lolita“ oder das grandios verhallte „Blue Jeans“, in dem sie schwört: „I will love you till the end of time“. Bis ans Ende aller Tage – darunter macht es eine Lana Del Rey nicht. Genau genommen ist „Born To Die“ bereits ihr zweites Album – das ebenfalls fabelhafte Erstwerk „Kill Kill“, 2008 noch unter ihrem wahren Namen Lizzy Grant aufgenommen, ließ die Plattenfirma vom Markt nehmen, um mit dem sorgfältig durchchoreographierten Popgeschöpf Lana Del Rey ganz neu zu beginnen. Und natürlich ist alles, was auf „Born To Die“ zu hören ist, mindestens so kalkuliert und künstlich wie Del Reys Mörder-Fingernägel, ihre Endlos-Wimpern und ihre Schmoll-Oberlippe. Doch in dieser Künstlichkeit steckt die Kunst mittendrin. Und die ist mindestens so herausragend gelungen wie beim aktuellen Stummfilm-Wunder „The Artist“. Nur mit Ton.

von Jörg Heinrich

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