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Klaus Florian Vogt als Stolzing in der Bayreuther „Meistersinger“-Inszenierung. Stolzings Preislied ist auch auf Vogts soeben erschienener CD „Helden“ zu hören.

CD-Kritik: Klaus Florian Vogt - Lizenz zur Lyrik

München - Eine Stimme, die spaltet: Tenor Klaus Florian Vogt hat seine CD „Helden“ veröffentlicht. Der Wagner-Tenor der dritten Art schmeichelt den Ohren mit porentief reinem Wohlklang. Doch er hat auch Schwächen.

Fürs Image passen die Zutaten perfekt. Und für Talkshow-Besuche, wie gerade mehrfach zu erleben, ohnehin: Dieser sympathische Mann fährt Segeljolle, Motorboot und -rad, fliegt zu den Vorstellungen schon mal mit eigener Propellermaschine ein – oder übernachtet, bei längeren Arbeitsphasen an einem Ort, im Wohnmobil. Klaus Florian Vogt ist der Wagner-Tenor der dritten Art. Was die Gepflogenheiten abseits der Bühne betrifft, aber auch das Singen: Es gibt keine Stimme, die Fans so spaltet. „Ätherisch“, „überirdisch“, jubeln die einen. „Knabenhaft“, „Wagner-Gesäusel“, lästern die anderen.

Seit Jahren geht das schon so, wobei die meisten Vogt-Gegner ein Problem haben: Sie verwechseln Stimmfarbe mit -technik. Seit neun Jahren schlüpft der Ex-Hornist des Staatsorchesters Hamburg in die mal mehr, mal weniger glänzende Rüstung des Gralsritters. Lohengrin ist für den 42-Jährigen die Rolle geworden, über die er sich definiert und mit der er bei den jüngsten Bayreuther Festspielen seinen größten Triumph gefeiert hat.

Auf seiner aktuellen CD „Helden“, für die gerade getrommelt und mit der Vogt als Gegenspieler von Jonas Kaufmann inszeniert wird, rückt Lohengrins Gralserzählung naturgemäß in den Mittelpunkt. Und wieder ist zu erleben: Dieser Held entstammt wirklich einer anderen Welt. Einer des entspannten, porentief reinen Wohlklangs. Wo sich andere mit Tricks mühen, segelt Vogt über die Hürden. Glaubhaft ist dieser Lohengrin zweifellos. Doch auch alle anderen Recken dieses Recitals, und hier beginnen die Einwände, kommen bei Vogt aus „Glanz und Wonne“, Siegmund inklusive.

Da liebkost er förmlich jede „Winterstürme“-Note, verbreitet die Intimität eines Schubert-Lieds. Die dunkle Vergangenheit des Wotanskindes allerdings wird kaum angetippt. Für Vogts Helden gilt eben in jeder Phrase die Unschuldsvermutung. Ob Stolzing, Max oder Oberon, sie alle können kein Wässerchen trüben. Dennoch: Vogts Technik hebt ihn über die meisten Kollegen hinaus – auch über Jonas Kaufmann, dessen Stimme nur in der Forte-Pracht richtig verführen kann. Kollege Vogt verfügt dank einer hohen Dosis Kopfstimmenresonanz über eine natürliche Mezzavoce. Er ist der Mann mit der Lizenz zur Lyrik. Das Zarte, Empfindsame der Helden ist hier bestens aufgehoben, man höre nur Stolzings kristallklar gestaltetes Preislied oder das „Ach! so fromm“ von Flotows Lionel. Abgesehen vom Lohengrin steht Vogts Stimme auf dieser CD, und das ist bezeichnend, Taminos „Bildnisarie“ ausnehmend gut. Schwerere Helden mag er also mit (meist) unforciertem Klang schultern, doch bleibt er ein genuin lyrischer Tenor – mit gewissen Expansionsfähigkeiten. Seine technischen Probleme liegen woanders.

Zum Beispiel das nicht optimale Legato. Gerade schnell hintereinandergeschaltete Intervalle wie bei Oberons „Ich juble in Glück“ werden zum unsteten Treppauf-Treppab. Auch neigt er zum altertümlichen Unterteilen der Notenverläufe, Stolzing lässt er etwa vom „wa-ha-che-hen Dichtertraum“ künden. Dass ihm manches auch zu kleinteilig gerät und nur mit häufigem Nachatmen bewältigt wird, kann allerdings auch am Dirigenten liegen. Peter Schneider gibt mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin den arg gemächlichen Begleiter. Abgesehen davon: Eine solch schwergängige „Oberon“-Ouvertüre hätte man am besten gleich ganz weggelassen.

Vor diesem Hintergrund ist Vogts nächstes Rollendebüt ein Schritt in eine neue, dramatischere Welt: als Siegmund in Münchens „Walküre“ (ab 11. März). Die nächste Etappe, das hat er selbst kolportiert, wäre dann der Siegfried – der wohl erste Wagner-Tenor, der sein Hornsolo gleich selbst erledigt.

Klaus Florian Vogt: „Helden“. Orchester der Deutschen Oper Berlin, Peter Schneider (Sony).

von Markus Thiel

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