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Jörg Schmutterer beim Hängen seiner Gemälde und der Fotos von Christoph Lingg.

Schöner Dreiklang im Pressehaus

München - Ausstellung im Pressehaus: Jörg Schmutterers Malerei zu Paul Celans Gedichten zeigt die Vielschichtigkeit des literarischen Werks des Autors.

„Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends“: Nicht nur der Anfang von Paul Celans berühmtestem Gedicht „Todesfuge“ faszinierte den Münchner Arzt und Maler Jörg Schmutterer. Das gesamte lyrische Werk des in Czernowitz geborenen Autors (1920 bis 1970) bewegt ihn bis heute. Nur ein Grund dafür ist Celans künstlerische Annäherung an die Schoah. Die Vielschichtigkeit des Œuvres in seinen geistigen Bezügen ist frappierend, was einen indes im Tiefsten berührt, ist das seelische Wundsein, das es uns zeigt.

Schmutterer wurde also nicht losgelassen von den Versen – und wagte es irgendwann, malerisch darauf zu reagieren. Das Ergebnis ist in einem Bildband des Hirmer Verlags und bis 2. Dezember in der „Alten Rotation“, der Veranstaltungshalle unserer Zeitung, zu sehen. Bei der Schau behält der Maler sein Buchkonzept bei: Gedicht, Gemälde, Fotografie. „Ich hatte mir immer gedacht, es wäre schön, wenn ich noch atmosphärische Fotografien von Czernowitz dabei hätte“, erzählt er, während er geduldig und umsichtig bei der Hängung der Ausstellung mitarbeitet. In der „FAZ“ habe er eine Aufnahme von Christoph Lingg entdeckt und gewusst – die sind richtig.

So bilden beide das visuelle Duett zu den Versen von Celan, die nun zwischen Gemaltem und Fotografiertem, zwischen Farbe/Zeichenhaftigkeit und Schwarz-Weiß/Realismus hängen. Das gibt einen optimalen Dreiklang, denn die vielen Gottesfragen von Celan beantwortet Lingg mit Bildern von Synagogen, Kirchen, Friedhöfen und Betenden, beantwortet Schmutterer meist mit stumpfen Verwitterungsfarben und assoziativen Signalen wie Auge, Pfeil, Lippen. Als Malgrund hat er, der seit 2000 als freier Künstler wirkt, alte Lastwagenplanen benutzt. Von deren Falten, Laschen, Nähten und Rissen oder Reifen- beziehungsweise Schuhsohlenabdrücken ließ er sich und seine bildnerische Fantasie führen. Und vor allem von Celans Zeilen wie: „Aug in Aug, in der Kühle,/laß uns auch solches beginnen“.

Simone Dattenberger

30.11. bis 2.12.

Fr./Sa. 12-18 Uhr, So. 12-16 Uhr, Bayerstraße 57.

Jörg Schmutterer: „Malerei zu Gedichten von Paul Celan“. Hirmer, 114 Seiten; 24,90 Euro.

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