Und sie kriegen sich doch: Cenerentola (Joyce DiDonato) mit Prinz Ramiro (Lawrence Brownlee). foto: wilfried hösl

„La Cenerentola“: Sie läuft und läuft und läuft

München - Generationen von Fans sind mit Rossinis „La Cenerentola“ aufgewachsen. Jetzt ist in der Bayerischen Staatsoper eine neue Besetzung mit Joyce DiDonato zu sehen.

Das sagt sich so leicht, aber mit dieser Produktion, weltweit für verschiedene Bühnen geklont und 1980 erstmals in München gezeigt, sind wahrlich Generationen von Fans aufgewachsen. Rossinis „La Cenerentola“ in Regie und Ausstattung von Jean-Pierre Ponnelle, das bleibt der munter tuckernde, scheckheftgepflegte VW-Käfer unter hiesigen Opern-Oldtimern.

Nach dem jüngsten Probenkundendienst und versehen mit ein paar aufgekratzten Neu-Solisten funktioniert Ponnelles Bewegungschoreographie nach wie vor - auch wenn das abgezirkelt Motorische, der Rossini-Irrwitz, den die Regie-Legende einst ersann, sich verschliffen hat.

Joyce DiDonato ist keine jungmädchenhafte Verzierungsschleuder wie manche Vorgängerin. Ihr Aschenputtel weiß schon genau, dass es zu Höherem berufen ist. Eine überlegte und überlegene Gestalterin, eine Sängerin, die traumhaft sicher und geschmackvoll die goldene Mitte zwischen eitler Stimmschau und bloßem Notenvollzug trifft. Mezzo? Sopran? Bei der Amerikanerin, die schlackenlos und stabil durch Rossinis Linien gleitet, lässt sich das gar nicht so genau definieren: ein Tonumfang, so sicher sitzend, der den Neid aller Kolleginnen heraufbeschwört.

Stilist Lawrence Brownlee segelt mit geschmeidigem Tenor durch die Ramiro-Partie, Extremlagen inbegriffen. Nikolay Borchev, als Dandini eine Buffo-Version von Rudolfo Valentino, gibt den perfekten Entertainer, Alex Exposito, ein ungewohnt jugendlicher Alidoro, entdeckt mit kernigem Bass an dem Philosophen manch ungewohnte, funkelnde Facette. Rossini-Haudegen Alessandro Corbelli (Don Magnifico) zeigt mit perfektem Timing, dass sich die Vorgängergeneration davor nicht verstecken muss. Und mit Paola Gardina (Tisbe), besonders mit Eri Nakamura (Clorinda) bietet das Haus ein verschwenderisch gut besetztes Böse-Schwestern-Paar auf.

Dass Rossini nicht Alltagskost des Staatsorchesters ist, hört man. Antonello Allemandi steuert nicht krampfhaft dagegen, sondern ist der freundliche Mann am Steuer, der lustvoll Gas gibt, dabei ein-, zweimal übers Randbankett rumpelt. Hauptsache, der Käfer läuft und läuft und läuft...

Von Markus Thiel

Weitere Vorstellungen: 2., 7., 10.6. sowie 9. und 12.7.; Telefon 089/ 2185-1920.

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